Tierseuchenprävention

Verbreitung von BVD-2 durch mangelnde Biosicherheit

Betriebseigene Gummistiefel
Betriebseigene Gummistiefel für Tierärzte

Personenkontakt von Tierärzten und Landwirten mit schlechten Biosicherheitsstandards sowie Viehverkehr führten zur Übertragung der BVD-Typ 2- Infektion 2012/2013 im Nordwesten Deutschlands und den Niederlanden.

Die epidemiologische Auswertung der BVD- Ausbrüche auf 21 Rinderbetrieben in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und den Niederlanden durch das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) benennt die hohe Virulenz des BVD-Typ 2c-Stammes, den fehlenden Impfschutz der Rinderherden und geringe Biosicherheitsstandards in den Kuhställen als Ursachen für die Verbreitung der anzeigepflichtigen Tierseuche.

Im November 2012 traten in einem Milchviehbetrieb in Kleve erste klinische Anzeichen wie Milchleistungsabfall, respiratorische Symptome, Nasenausfluss, Fieber, sporadischer Durchfall, Aborte und der plötzliche Tod von Kühen und Kälbern auf. Im Dezember wurde BVD-Virus nachgewiesen, erst im Februar 2013 konnte BVDV-2c als ursächlicher Erreger identifiziert werden. Inzwischen waren bei weiteren 20 Rinderbetrieben BVD-Erkrankungen aufgetreten, insgesamt starben 577 Tiere.

Im März 2013 untersuchte die Task Force des FLI in Zusammenarbeit mit den lokalen Veterinären die Epidemiologie des Seuchengeschehens vor Ort.
Durch sinkende Zahlen der detektieren  PI-Tiere sowie einer Impfmüdigkeit seitens vieler Landwirte, waren mehr und mehr „naive“ Herden ohne Impfschutz und mit einer hohen Anfälligkeit gegenüber dem hochvirulenten BVDV-2c-Stamm entstanden. Viehverkehr und Personenkontakte durch Landwirte und Tierärzte mit geringen Biosicherheitsstandards werden als Ursache für die Verbreitung der Seuche angesehen.

Verbreitungsdynamik
 

Wer die Veröffentlichung „BVD-2 outbreak leads to high losses in cattle farms in Western Germany“ (Genthmann et al., 2015) liest und die Übersicht über Verbindungen und mutmaßliche Verbreitungswege betrachtet, wird besser heute noch die Biosicherheit im landwirtschaftlichen Betrieb und in der Tierarztpraxis/im Praxiswagen prüfen und verbessern, um eine Verbreitung von kontagiösen Erregern in Zukunft so gering wie möglich zu halten. Das seit 2014 geltende Tiergesundheitsgesetz benennt den Tierhalter als Verantwortlichen, für die Gesundheit der Tiere zu sorgen und diese vor übertragbaren Krankheiten zu schützen. Die Zeit zum Anlegen betriebseigener Schutzkleidung für Tierärzte, Besamungstechniker, Berater, Viehhändler, etc. sollte in Zukunft unbedingt mit eingeplant werden.

Presse vom 22.09.15: Süddeutsche.de: Tierärzte verbreiteten gefährliche Rinderseuche

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