Euterhygiene

Zitzenversiegler in der Milch

Zitzenversiegler
Die klebrige Masse des Zitzenversieglers sollte vor dem ersten Melken nach der Geburt durch Vormelken per Hand gründlich entfernt werden. Foto: vet-consult

Kanadische Tierärzte haben untersucht, wie lange Rückstände von Zitzenversieglern in der Milch nachweisbar sind. In einigen Fällen war es länger als eine Woche.

Zitzenversieglung ohne gleichzeitige antibiotische Behandlung sind immer dann sinnvoll, wenn Kühe eutergesund sind oder Mastitiden vor allem direkt vor der Geburt auftreten. Ob und wie lange sich noch Rückstände von Bismutnitrat in der Milch nachweisen lassen, haben Jean-Philippe Roy und Kollegen vom Canadian Bovine Mastitis and Milk Quality Research Network untersucht. Theoretisch sollte das Präparat bereits nach dem ersten Melken aus dem Euter entfernt worden sein, doch die Kanadier kommen zu einem anderen Ergebnis:

  • Bei 83 Prozent der behandelten Euterviertel befand sich zum Zeitpunkt der Geburt der Zitzenversiegler noch in der Zitze, bei den übrigen 17 Prozent war er nicht mehr vorhanden. Der Versiegler fehlte vor allem in den Vordervierteln.
  • Durchschnittlich konnten die Wissenschaftler vier Tage lang den Hauptwirkstoff des Versieglers in der Milch nachweisen, allerdings traten erhebliche Unterschiede in einzelnen Gruppen auf.
  • Wenn nach der Geburt kein Versiegler mehr in der Zitze vorhanden war, wurde der Wirkstoff nur 1,2 Tage lang in der Milch nachgewiesen.
  • Viertel, bei denen der Versiegler gehalten hatte, schieden noch durchschnittlich 4,5 Tage lang Reste des Produktes mit der Milch aus.
  • Außerdem konnten die Kanadier Bismutnitrat länger in der Milch von älteren Kühen nachweisen und solchen, die überdurchschnittlich lange trockengestellt wurden. Im längsten Fall dauerte es 12 Tage, bis der Wirkstoff komplett ausgeschieden war.

In den nachgewiesenen Mengen ist Bismutnitrat kein Gesundheitsrisiko für Menschen, allerdings können schwarze Verfärbungen im Käse auftreten. Landwirte sollten daher den Versiegler so sorgfältig wie möglich per Hand ausmelken und nicht sofort die Melkmaschine benutzen, da die klebrige Masse gut an den Gummiteilen der Melkzeuge haftet. Außerdem sollte die Milch nach Einsatz des Versieglers – wie im Allgemeinen ohnehin üblich während der ersten fünf bis sieben Tage nach der Geburt – nicht zum menschlichen Verzehr verwendet werden.

Quelle: wir-sind-tierarzt.de

Originalveröffentlichung:
Kabera et al. (2018): An observational cohort study on persistency of internal teat sealant residues in milk after calving in dairy cows. Journal of Dairy Science 101 (7), S. 6399–6412

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