Fallbericht

Absetzferkel: nach Transport plötzlich tot

Ferkel
Sechs der 128 frisch abgesetzten Ferkel verendeten nach Kontakt mit Chlorkresol auf dem damit desinfizierten Transporter. Foto: Heil

Nach einem kurzen Transport von frisch abgesetzten Ferkeln verendeten sechs Tiere innerhalb einer Stunde nach der Ankunft im Aufzuchtstall. Sie zeigten Ataxien und neurologische Symptome.

Schon beim Abladen nach zehn Minuten Transportzeit fielen 20 von 64 Ferkeln mit Ataxien und weiteren neurologischen Störungen auf.

Vergiftung mit Desinfektionsmittel Chlorkresol

Mittels gaschromatografischer Untersuchung des Harns eines zur Sektion gelieferten Tieres konnte eine Vergiftung mit Chlorkresol nachgewiesen werden. Die makroskopischen sowie histologischen Befunde waren nicht eindeutig, sodass erst durch den Nachweis von Chlorkresol im Harn eine ätiologische Diagnosestellung im Zusammenhang mit den makroskopischen und histologischen Befunden möglich war.

Kresole gehören zur Stoffgruppe der aromatischen, einfach methylierten Phenole. Als handelsübliche Desinfektionsmittel werden Kresole in der Landwirtschaft zur Flächendesinfektion von Ställen und Tiertransportern eingesetzt. Fehler bei der Desinfektion oder eine unzureichende Abtrocknung der behandelten Fläche können dazu führen, dass Tiere mit Rückständen des Desinfektionsmittels in Kontakt kommen. Diese Rückstände können gerade bei jüngeren Tieren die toxische Dosis überschreiten, wodurch es zu einer Vergiftung kommt. Die im vorliegenden Fall betroffenen Ferkel zeigten nach der Aufnahme des Kresols schon innerhalb weniger Minuten erste neurologische Ausfallerscheinungen.

Fazit für die Praxis:

Dieser Fall zeigt deutlich, dass beim Umgang mit Desinfektionsmitteln immer besondere Vorsicht geboten sein muss und dass die Reinigung und Desinfektion ausschließlich von geschultem Personal durchgeführt werden sollten. Tierhalter müssen sensibilisiert werden, um den Umgang mit Gefahrenstoffen, deren Wechselwirkungen oder auch die Einflüsse der Umwelt auf diese einschätzen zu können und gegebenenfalls Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Weiterhin sollten stets die Herstellerangaben beachtet werden und keine Vermischung mehrerer Substanzen erfolgen. Ist die Reinigung und Desinfektion durch einen Subunternehmer erfolgt, muss der Tierhalter eine Kontrolle der behandelten Fläche durchführen. Zusätzlich zeigt dieser Fall, dass beim Anwenden kresolhaltiger Desinfektionsmittel ein Abspülen der Fläche nach Ende der Einwirkzeit vorgenommen werden muss, um Rückstände zu vermeiden. Das Abspülen des Desinfektionsmittels war in diesem Fall nicht erfolgt.

Originalveröffentlichung als open access:

Vogels J, Hennig-Pauka I, Hewicker-Tautwein M, Detlefsen H, große Beilage E:
Plötzliche Todesfälle von Absetzferkeln nach Transport. Der Praktische Tierarzt 100, 684-691

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