Tierschutz

BTK: gegen "vierten Weg" bei der Ferkelkastration

Ferkel
Durch Lokalanästhesie wird keine wirksame Schmerzausschaltung bei der Kastration von Ferkeln garantiert. Foto: Zaspel

Erneut hat die Bundestierärztekammer ihren Standpunkt verdeutlicht, dass Lokalanästhesie nicht in Laienhand gehört. Sie appelliert an alle Tierärzte, sich gegen die Lokalanästhesie als geeignete Methode zur Ferkelkastration zu positionieren.

Nachdem der Bayerische Bauernverband (BBV) gegenüber bayerischen Schweinhaltern sein Unverständnis gegenüber der Ablehnung des "vierten Weges" bekundet hat, erklärt die BTK erneut die Gründe gegen die betäubungslose Ferkelkastration unter Lokalanästhesie:

  • Voraussetzung für die Rechtskonformität der chirurgischen Ferkelkastration unter Lokalanästhesie ist das Erreichen einer wirksamen Schmerzausschaltung. Nach bisherigen Studien wird bei der Ferkelkastration mit Procain aber keine ausreichende Schmerzausschaltung erreicht. Damit erfüllt dieses Verfahren eindeutig nicht die Vorgaben des Tierschutzgesetzes.
  • Ein Arzneimittel, das den Anforderungen einer lokalen Anästhesie genügt, existiert derzeit nicht.
  • Es gibt zurzeit drei rechtlich mögliche Alternativen: Die Ebermast, die Immunokastration oder „Eberimpfung" (Improvac) zur Verminderung des Ebergeruchs sowie die Kastration unter Allgemeinanästhesie.

Dr. Uwe Tiedemann, Präsident der BTK, erläutert die Gründe für die Ablehnung des "vierten Weges": „Die Belastung der Tiere durch Fixation und mehrfache Injektionen ist ähnlich wie bei der betäubungslosen Kastration und der Schmerz wird je nach Applikationsart nur teilweise ausgeschaltet. Dazu kommt, dass Injektionen in Richtung der Samenstränge oft nicht präzise platziert werden können – schon gar nicht, wenn sie durch Laien im Akkord vorgenommen werden. Abgesehen von dem Risiko einer nicht ausreichenden Schmerzausschaltung durch eine ungenaue Applikation, ist bei dieser Vorgehensweise nicht auszuschließen, dass versehentlich auch eine lebensgefährliche intravasale Injektion erfolgen kann. Auch können Wundheilungsstörungen in Folge des Vorfalls der betäubten Samenstrangstümpfe vorkommen. Wenn der „4. Weg" also nicht nur eine kostengünstige Täuschung des Verbrauchers sein soll, muss eine wirksame Schmerzausschaltung garantiert sein – und das ist wissenschaftlich bisher nicht erwiesen. Aus diesen Gründen lehnen wir diesen Weg ausdrücklich ab."

Auch die rheinland-pfälzische Umweltministerin Höfken hatte nach der Forderung des Bauern- und Winzerverbands für den vierten Weg, die Lokalanästhesie bei der Ferkelkastration als "Scheinlösung, die den Bauern nicht hilft" bezeichnet. Sie betonte, dass die rechtlichen und praktischen Voraussetzungen für den 4. Weg in Deutschland nicht existieren.

Quelle: BTK,

PM Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten, Mainz

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