Gesündere Klauen beim Schwein

Schweineklaue
Bild: Sawluk

Für 40% aller Abgänge sind Gliedmaßenprobleme verantwortlich. Dabei lohnt sich mehr Aufwand für eine bessere Klauengesundheit auch finanziell.

Klauenerkrankungen werden oft nicht rechtzeitig erkannt, da sie schlecht sichtbar sind und die Tiere oft erst im fortgeschrittenen Stadium lahmen. Vermehrtes Umrauschen durch Unterdrücken der Brunstsymptome, erhöhte Erdrückungsverluste durch ein schmerzhaftes und dadurch zu schnelles Ablegen und verminderter Appetit sind die Folgen. Dabei kommt es zu einem sich selbst verstärkenden Effekt: Vermehrtes Liegen aufgrund der Schmerzen führt zu weiteren Problemen wie zu wenig Hornabrieb und Druckeschwüren der Schultern. Durch die vielfältigen sekundären Symptome lässt sich nur vermuten, dass viele Klauenprobleme gar nicht als die eigentliche Abgangsursache erkannt werden.

80% der Fälle haltungsbedingt
Die Erkrankungen sind meist haltungsbedingt (s. vet-consult-Artikel vom 17.8.15). Ein Einklemmen in zu schmalen Bodenspalten führt zu horizontalen Klüften im Hornschuh, vertikale Risse werden von  stark durch mechanische Belastungen beanspruchte Klauen verursacht. Diese Läsionen, die meist kaudolateral an den Außenklauen auftreten, reizen die Lederhaut und können zu eitrigen Infektionen führen. Die ersten Risse im Wandhorn werden nicht selten übersehen, besonders bei verschmutzten Klauen.
Ebenfalls nicht einfach zu entdecken sind Läsionen in der Ballenzone, denn sie sind nur im Liegen zu sehen. Erschwerend kommt hinzu, dass nur ein Viertel der Sauen mit Klauenproblemen tatsächlich lahmt. Hierbei lohnt es sich, besondes auf die Ausbildung von Stallklauen durch zu wenig Hornabrieb zu achten: Wachsen die Klauen zu sehr in die Länge, verlagert sich die Belastung in den hinteren Bereich der Klaue – auf den empfindlichen weichen Ballen. Pododermatitiden, Panaritien und ein hohes Risiko für die Ausbildung einer chronischen Klauenrehe sind oftmals die Folgen. Ein Mangel an Nährstoffen wie Biotin und genetisch bedingte, eine Klauenerkrankung begünstigende Gliedmaßenstellungen spielen laut aid (Infodienst für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz) eine eher untergeordnete Rolle.
Eine Kombination von Betonspaltenböden mit Stroh ist also nicht nur aus Sicht des Tierschutzes, sondern auch aus Sicht der Klauengesundheit zu empfehlen, solange ein ausreichender Abrieb der Klauen sichergestellt wird.

Kosteneinsparung durch Klauenpflege
Manuela Bach vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinland Pfalz berechnet bei einem Betrieb mit 160 Sauen den Schaden durch Klauenerkrankungen auf 2000 Euro pro Jahr. Dabei bezieht sie höhere Remontierungskosten, ausbleibende Würfe durch Umrauschen (5% des Umrauschens durch Klauenproblem) und die pro Jahr mehr erdrückten Ferkel mit ein.
Die berechneten Verluste sind genug, um eine jährliche Klauenpflege rentabel zu machen.
Ein häufiger Fehler dabei ist ein zu starkes Kürzen der Klauenspitze, um gegen eine Stallklauenausbildung vorzusorgen. Bei fünf bis sechs Millimetern nachwachsendem Horn pro Monat eine große Versuchung, jedoch irritiert ein zu starker Abrieb die empfindliche Lederhaut der Klauen. Eine schnell durchzuführende Verbesserung ist die Kürzung der Afterklaue; in sieben von 10 untersuchten Betrieben stellte sie ein Problem dar, obwohl sie in wenigen Sekunden zu stutzen wäre.
Auf lange Sicht ist eine regelmäßige Klauenpflege jedoch nicht die alleinige Lösung des Problems der häufigen Gliedmaßenerkrankungen in der Schweinehaltung. Denn bereits junge Ferkel weisen Blutergüsse und Klauenrisse auf, die ihre Produktivität in der gesamten Mastperiode verringern.
Vorbeugende Managementmaßnahmen und an die Klauenbedürfnisse angepasste Haltungsbedingungen wie der Einsatz von Stroh oder Gummimatten weisen den Weg die Zukunft.


Quellen:

vet-impulse 12/15
Bericht dlr RLP Klauenerkrankungen bei Sauen (pdf)
Jörg Planer, Bonn und Dr. Elisabeth Roesicke, aid

Foto: Jerzy Sawluk  / pixelio.de



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