Bioschweine haben die meisten Verletzungen

Sau mit Ferkeln im Stroh
Foto: Bucurescu / pixelio

Eine Studie an über einer Million dänischen Schweinen hat deren Gesundheitszustand im Schlachthof beurteilt und kommt zu erschreckenden Ergebnissen: drei Mal so viele Schwanzverletzungen, vier Mal mehr Rippenbrüche in Freiland- oder Biohaltung als in konventionellen Systemen. Woran liegt das, gilt die Freilandhaltung doch als artgerechter?

Lis Alban, Professorin an der Uni Kopenhagen, untersuchte für den Dänischen Landwirtschafts- und Lebensmittelverband rund 1,4 Mio. Tiere, die an einem der größten Schlachthöfe in Dänemark angeliefert wurden.
Zwischen Bio- und Freilandhaltung wurde aus Datenschutzgründen kein Unterschied gemacht. Die Genetik der 1,17 Mio. konventionell gemästeten und 201 160 Bio- bzw. Freiland-Schweine dürfte dabei ebenfalls nicht ins Gewicht fallen, denn alle entstammten ähnlichen Rassen.
Eine erste Untersuchung über die Gesamtsumme der Läsionen ergab dabei keinen Unterschied – aus beiden Mastsystemen kamen durchschnittlich 40% der Schweine mit Läsionen zum Schlachthof. In 13 von 22 bewerteten Gesundheitskriterien lagen die Bioschweine jedoch deutlich zurück, nur in vier Kategorien waren sie gesünder, in ebenso vielen fand sich kein Unterschied.


Schwanzbeißen: brisantes Thema
Dass das Risiko für Insektenstiche und Ekzeme in Freilandhaltung größer ist (3,4x häufiger), lässt sich nachvollziehen. Ebenso das um das 3,8-fach höhere Auftreten von Rippenbrüchen, die oft schon beim Ferkel passieren, wenn die Muttersau - wie bei Bio- und Freilandhaltung üblich - sich frei bewegen kann und nicht im Kastenstand fixiert ist. Allerdings kamen auch lokale Schwanzverletzungen (3,1x) deutlich öfter vor. Dies ist eine durchaus kontroverse Entdeckung, da Schwanzbeißen im Allgemeinen mit reizarmer Umgebung, wie z.B. einem glatten Untergrund ohne Wühlmöglichkeiten, in Zusammenhang gebracht wird. Da auch in Dänemark die Biobauern auf das Kürzen der Schwänze verzichten, können diese Daten jedoch schlecht als Vergleich dienen – haben doch die Schweine aus konventioneller Haltung auch deutlich weniger Möglichkeiten, ihren Kameraden den kupierten Schwanz anzuknabbern. Nichtsdestotrotz geben diese Erkenntnisse einen Vorgeschmack auf das zu erwartende Ergebnis, wenn in Teilen Deutschlands das Kupieren der Schwänze auch für konventionelle Mäster ohne ausreichende Alternativenforschung verboten wird (s. vetconsult-Artikel vom 25.9.).


Infektionen durch Schwanzbeißen
Dabei sind nicht nur die direkten Komplikationen des Schwanzbeißens eine Gefahr; auch die höhere Infektionsrate durch dauerhaft offene Wunden, die zu Septikämien, Osteomyelitis und Abszessen führen kann, ist dabei ein Grund für erhöhte Mortalität. So wurden Abszesse des Knochenmarks, eine Folge von unter anderem Schwanzbeißen, bei Bioschweinen doppelt so häufig gefunden. 

Wurde ein Schwein zwei Mal mit Antibiotika behandelt, fällt die Bioprämie von 114€ in Dänemark weg. Dies könnte ein anderer Grund für anhaltenden Schwanzläsionen sein, denn die dänischen Biobauern verbrauchen nur 10-20% der Antibiotika, die ihre konventionellen Kollegen einsetzen. Eine andere Studie konnte zeigen, dass 44% der biologischen Produzenten innerhalb des einen Jahres der Studienlaufzeit überhaupt keine Antibiotika benutzten, im Vergleich zu 15% der konventionellen Mäster. Auch die höhere Rate infektiöser Gelenkentzündungen könnte auf diese Art erklärt werden, so die Forscher.


Stroh hat positiven Effekt
Der positive Effekt von Stroh und planbefestigten Böden auf die Gliedmaßen wurde in der Studie eindeutig nachgewiesen: 2,4x mal mehr Schweine in konventioneller Haltung auf Spaltenböden ohne Einstreu litten unter Schleimbeutelentzündungen, auch Abszesse der Gliedmaße wurden bei ihnen deutlich öfter festgestellt.
Gleich niedrig waren nur chronische Lungenentzündungen, Kopfabszesse und frische Frakturen, die auf dem Weg zum oder im Schlachthof passierten (0,1-3%).


Quelle: www.porcinehealthmanagement.com

Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben, 38 / 2015

Foto: Alexandra Bucurescu  / pixelio.de

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