Tierschutz

Chronisches Leiden und Mängel bei Tötung kranker Schweine

Schweine
Bei mehr als 10% der in TBAs angelieferten Tiere wurden tierschutzrelevante Befunde erhoben. Es handelt sich nicht um Einzelfälle. Foto: Andrea Damm, pixelio.de

Die TiHo Hannover hat eine Studie veröffentlicht, die Schweinekadaver aus Tierkörperbeseitigungsanlagen auf tierschutzrelevante Befunde hin untersucht hat. Es besteht unter anderem Handlungsbedarf in der Schulung im Umgang mit kranken und verletzten Tieren auf den Betrieben.

In Deutschland verenden jährlich etwa 13,6 Mio Schweine – entsprechend 21% der lebend geborenen Tiere – vor der Schlachtung und werden zur unschädlichen Beseitigung in VTN verbracht. Anders als Schweine am Schlachthof, unterliegen VTN bisher nicht der amtlichen Aufsicht auf Einhaltung der rechtlichen Vorgaben zum Tierschutz(§ 1b Abs. 1 TierSchG)

Schweine leiden vor der Tötung zu lange

Bei insgesamt 57 Anlieferungen (= LKW Ladungen) konnten alle Mastschweine (n = 485) und Zuchtschweine (n = 128) auf tierschutzrelevante Befunde untersucht werden.  Bei 13,2% (n = 64) dieser Mastschweine und 11,6% (n = 17) der Zuchtschweine waren Befunde zu erheben, bei denen davon auszugehen war, dass sie mit länger anhaltenden erheblichen Schmerzen und/oder Leiden verbunden waren.

Zu den Befunden, die als Ursache länger anhaltender erheblicher Schmerzen und/oder Leiden angesehen wurden, gehören Kachexie, chronische eitrige Gelenkentzündungen, tiefgehendes Panaritium, chronische Entzündungen infolge Verletzung/Abriss von Afterklauen, tiefgehende Bissverletzungen an Schwanz oder Ohren mit chronischer Entzündung, großflächige oder tiefgehende Verletzungen an Hernien, Rektumstrikturen sowie tiefgehende Hautläsionen durch Dekubitus/Ulkus.

Tötung mangelhaft durchgeführt

Verstöße gegen das TierSchG wurden zudem auch an Tierkörpern festgestellt, bei denen anhand der Befunde von einer Tötung auszugehen war. Eine mangelhafte Durchführung der Betäubung und/oder Tötung war bei 61,8% der insgesamt 165 Schweine festzustellen, die Anzeichen einer Tötung aufwiesen

Konsequenzen aus der Studie

Folgende Forderungen werden aus der Studie abgeleitet:

  • Schweinehalter sollten durch entsprechende Aus- und Fortbildungsmaßnahmen für den angemessenen und rechtskonformen Umgang mit kranken und verletzten Einzeltieren sensibilisiert und geschult werden. Hier sind auch die betreuenden Tierärzte gefordert.
  • Die Überwachungsbehörden sollten regelmäßig stichprobenartige Kontrollen in Verarbeitungsbetrieben für tierische Nebenprodukte (VTN, synonym TBA) durchführen.
  • Dem Gesetzgeber wird empfohlen die Rechtsgrundlagen dahingehend zu ergänzen, dass VTN in § 16 1 b TierSchG aufgenommen werden.

Quelle: TiHo Hannover, Pressemitteilung

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