Schweineproduktion

Dänemark: erfolgreiche Antibitotikareduktion

Daenischer Antibiotikaverbrauch
Entwicklung des Antibiotikaverbrauchs in der Dänischen Schweineproduktion. Quelle: SEGES

Die dänischen Schweineproduzenten haben die für 2020 angepeilte Senkung des Antibiotikaverbrauchs um 20% gegenüber 2009 bereits jetzt erreicht. Tierärzte sind daran durch systematische tierärztliche Beratung beteiligt.

Nach Angaben des Dänischen Fachverbands der Land- und Ernährungswirtschaft hat die Senkung des Antibiotikaverbrauchs in der dänischen Schweinebranche hohe Priorität. Ohne das Wohl der Tiere zu beeinträchtigen, konnten die Verbrauchszahlen durch sorgfältige Planung, sinnvolle Regeln und konsequentes Vorgehen immer wieder gesenkt werden.
 
Als Grundprinzip und Fundament sind vor allem vorbeugende Planung und Maßnahmen zu nennen.

70% der dänischen Schweineproduktion: Specific Pathogen Free

Bei der Vorbeugung von Krankheiten spielen die genossenschaftlich organisierte integrierte Produktion, systematische tierärztliche Beratung sowie das inzwischen weltgrößte Gesundheitsmanagementsystem entscheidende Rollen. Insbesondere das bereits 1971 eingeführte SPF-System (SPF=Specific Pathogen Free), das heute mehr als 70 % der dänischen Schweineproduktion umfasst, reduziert die vorhandenen Krankheitserreger und damit den Behandlungsbedarf. Dies gewährt ein hohes Maß an Gesundheit bei minimalem Antibiotikaverbrauch.
 
Für den Einsatz von Antibiotika gilt:

  • Nur zur Behandlung kranker Tiere
  • Keine vorbeugenden Antibiotikagaben. Metaphylaktische Behandlung, um gesunde Tiere in einer Gruppe vor Ansteckung durch kranke Tiere zu schützen, ist allerdings erlaubt.
  • Stets nach tierärztlicher Anweisung sowie nur für die beschriebene Diagnose und Tiergruppe
  • Tierärzte sind nicht am Verkauf beteiligt, dieser ist Apotheken vorbehalten.

Die lückenlose Erfassung des Antibiotikaverbrauchs auf Betriebsebene (VETSTAT-Datenbank) ermöglicht detaillierte Auswertungen. Bei Überschreitung des vom Veterinär- und Lebensmitteldirektorat festgesetzten Grenzwerts, erhält der betreffende Betrieb die Gelbe Karte, d.h. Auflagen zur Senkung des Verbrauchs.
 

Antibiotikaverbrauch im internationalen Vergleich
Laut jüngstem ESVAC-Bericht (European Surveillance of Veterinary Antimicrobial Consumption) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) vom Oktober 2015 lag der Antibiotikaverbrauch für die dänische Nutztierhaltung bei 44,9 mg Antibiotika pro kg Biomasse bzw. PCU und der EU-Schnitt bei 147 mg/kg. 

Im Sinne internationaler Vergleichbarkeit ermittelt die EMA (European Medicines Agency) aus Zahl und veranschlagtem Gewicht der in den einzelnen Ländern gehaltenen Tiere die Population Correction Unit (PCU) und gibt den Antibiotikaverbrauch in mg/PCU an (1 PCU = 1 kg Biomasse). Andere Auswertungsverfahren operieren mit mg Antibiotika pro kg produziertem Fleisch oder auch pro Tier, wieder andere mit Anzahl Dosen pro 1000 Tage oder Therapiehäufigkeit.

Bei zeitlichen bzw. internationalen Vergleichen ist immer auf identische Voraussetzungen zu achten. Verzerrungen ergeben sich u.a. auch durch unterschiedliche Dosierungsvorgaben, welche die gemessenen Wirkstoffmengen signifikant reduzieren können – bei gleicher Zahl der behandelten Tiere und in etwa unveränderten Resistenz-Risiken.


Quelle: Dänischer Fachverband der Land- und Ernährungswirtschaft

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