Schlachtvorgang

Die Ohnmacht vor dem Tod

schlafende Schweine
CO2- Betäubung ist umstritten, aber in der EU-Schlachtverordung und nach der deutschen Tierschutz-Schlachtverordnung zulässig. Foto: Andrea Damm, pixelio.de

Knapp 60 Millionen Schweine werden jährlich in Deutschland geschlachtet. Die meisten davon werden zunächst mit CO2 betäubt, eine Methode, die jetzt in die öffentliche Kritik gerät.

In einem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung berichtet die Autorin über die Hintergründe der Strafanzeigen, die die Tierschutzorganisation Peta gegen 25 Schlachthof- Betriebe gestellt hat.

Etwa 40 Millionen Schweine werden pro Jahr in Metall-Gondeln in den Kohlendioxid-Schacht befördert, wo am Ort der Betäubung eine mindestens 80%ige Kohlendioxid-Atmosphäre bei einer Aufenthaltsdauer von mindestens 100 Sekunden gesetzlich vorgeschrieben ist. Es handelt sich um eine Inhaltationsnarkose, die nach 10 bis 20 Atemzügen einsetzt. Peta kritisiert genau diese 20 Sekunden Erstickungstod, denn Maulatmung und Drängen nach oben als typische Anzeichen des Erstickungsgefühls zeigen die panische Angst der Tiere bevor die Betäubung einsetzt.

Starke Abwehrbewegungen und Maulatmung

Einen gewissen Rückenwind für ihre Strafanzeige finden die Tierschutzer im Tierschutzbericht der Bundesregierugn von Ende 2015. Darin heißt es über die CO2-Methode: "Der Hauptvorteil liegt in einer effizienten Gruppenbetäubung mit wenig Personaleinsatz. Die CO2-Betäubung steht in der Kritik, weil die Betäubung nicht sofort eintritt und die Tiere bei der Einleitung Atemnot-Symptome und ein starkes Abwehrverhalten zeigen. ... Derzeit sind allerdings noch keine praxistauglichen Alternativen verfügbar." 

Tönnies weist Vorwürfe zurück

In der Stellungnahme der Tönnies-Gruppe zum Thema Tierschutz bei Schlachttieren heißt es: "Die Behauptung der Bundesregierung über mangelhaft betäubte Tiere trifft auf unsere Schlachtbetriebe nicht zu. Wir betreiben unsere CO2-Anlagen zur Betäubung mit der sogenannten Tiefenbetäubung ... mit 92%iger CO2-Atmosphäre". Damit sei ein 100%iger Betäubungserfolg vor und bei der Entblutung gewährleistet.

Heilum als mögliche Alternative

Prof. Klaus Troeger vom Max-Rubner-institut in Kulmbach hat 2012 nach Besuch der Tönnies-Betriebe nach Alternativen zum CO2 gesucht und herausgefunden, dass Schweine, die mit Helium betäubt werden, sanft hinüberschlummern, so wie es den Vorstellungen der Verbraucher von Betäubung entspricht. Zudem sei das Fleisch dieser Scheine topzart. Der breite Einsatz von Helium in Schlachthöfen ist laut Tierschutzbericht der Bundesregierung "gegenwärtig nicht praxisreif, da seitens der Gasindustrie die erforderlichen Mengen an Helium nicht bereitgestellt werden können".

Quellenangaben:

zusammengefasst aus dem Artikel "Die Ohnmacht vor dem Tod" von Ruth Schalk, erschienen am 11.04.16 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Foto: Andrea Damm, pixelio.de

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