Wissenschaft

Durch Menschen verursachte Hämatome bei Schlachschweinen

Hämatome an Schlachtschweinkörpern
Hämatommuster geben Rückschlüsse auf die Objekte, mit denen sie verursacht wurden. oben: Hämatomabdruck einer Kette, unten: Hämatomabdruck eines Treibepaddels. Ausschnitt aus Barington et al. (2016)

Immer wieder sind auf Schlachtkörpern von Mastschweinen Prellungen zu sehen, die durch Menschen verursacht wurden. Die Begutachtung und histologische Untersuchung kann das ursächliche Objekt und den Zeitpunkt der Verletzungen bestimmen.

Prellungen auf Schlachtkörpern von Schweinen zeigen eine Verletzung des Tierwohls an, stellen eine Rechtsverletzung gegen das Tierschutzgesetz dar und stehen im Fokus des öffentlichen Interesses. In allen Dänischen Schlachthöfen findet ein routinemäßiges Monitoring auf durch Menschen verursachte Verletzungen statt.

Solche Blutergüsse sind durch folgende Eigenschaften definiert:

  • sie treten mehrfach am Tierkörper auf
  • sie haben ein einheitliches Muster, welches häufig durch die Form Rückschlüsse auf das ursächliche Objekt zulässt,
  • sie sind immer auf dem Rücken oder den oberen Regionen des Tieres zu finden.

Die Beurteilung des Alters des Hämatoms ist von Bedeutung, um zu bestimmen, in wessen Obhut sich das Tier befand, als es verletzt wurde. Das Alter wird durch die histologische Beurteilung der Haut und des darunterliegenden Gewebes ermittelt. Eine frühere Studie zeigte, dass 90 % der Verletzungen weniger als acht Stunden vor der Schlachtung entstanden.

In der vorgestellten Studie wurden die Schlachtkörper von 101 Mastschweinen im Alter von fünf bis sechs Monaten mit einem Durchschnittsgewicht von 83,25 kg und durch Menschen verursachten Hämatomen auf zwei großen Dänischen Schlachthöfen über einen Zeitraum von sieben Monaten untersucht. Bei der groben Begutachtung wurden Muster und Ausprägung der Prellungen nach der Schlachtung dokumentiert. Für die Histologie wurden Gewebeproben von zwei verschiedenen Prellungen von einem Tier entnommen und auf Hämorrhagie, Hyperleukozytose und Infiltration von Neutrophilen und Makrophagen hin untersucht, um den Zeitpunkt der Verletzungen zu bestimmen.

Verletzungsmuster lässt Rückschlüsse auf verursachendes Objekt zu

50 % der Verletzungen hatten ein Bahngleis-Muster, das infolge von Stockschlägen entsteht. 21 % wiesen die Form der Rückseite eines Tätowierungs-Hammers auf, mit dem die Schweine auf den landwirtschaftlichen Betrieben mit Identifizierungsnummern versehen werden. Weitere Prellungen hatten die Form von Paddeln, Doppel-U-Profilen, Kreisen oder Ketten.

Die untersuchten histologischen Parameter der beiden Gewebsproben von 81 Tieren wurden durch Cohens Kappa statistisch bewertet. Es kam heraus, dass die histologische Beurteilung von Haut und Muskulatur von zwei verschiedenen Prellungen nicht ausreichend ist, um den Zeitpunkt der Verletzung sicher zu beurteilen, auch wenn davon auszugehen ist, dass sie fast zeitgleich verursacht wurden. Die Variation der Entzündungsreaktion zwischen den beiden Verletzungsorten war erheblich.

Originalarbeit: Barington K, Agger JFG, Nielsen SS, Doch­Jorgensen K, Jensen HE (2016): Gross and histopathological evaluation of human inflicted bruises in Danish slaughter pigs. BMC Vet Res 12(1): 247.

Quelle: Journal Club, vetline.de

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