Betäubungslose Kastration

Ebergeruch-Impfung statt Kastratiom

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Das Positionspapier spricht sich gegen die Lokalbetäubung durch den Landwirt bei der betäubungslosen Kastration aus. Foto: Heil

Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) sieht in der Impfung gegen den Ebergeruch eine tierschutzkonforme Alternative zur betäubungslosen Kastration von Ferkeln. Niedersachsen will das Verbot der betäubungslosen Kastration auf 2020 verschieben.

In einem offenen Brief an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) kritisiert der Vorsitzende der TVT, Prof. Dr. Thomas Blaha, die Ablehnung der Immunokastration von Seiten der Ferkelerzeuger, Fleischverarbeiter und Lebensmittelhändler. Statt auf ein Impfverfahren zu setzen, versuche man, eine Fristverlängerung für die betäubungslose Kastration von Ferkeln zu erreichen.

Seit der Düsseldorfer Erklärung im Jahr 2008 wird in Deutschland über den Ausstieg aus dieser Methode gerungen. Zum 1. Januar 2019 dürfen Ferkel dann nur noch unter Betäubung kastriert werden. Mit der Herriedener Erklärung im März 2017 brachte die Vieh- und Fleischwirtschaft eine neue Alternative ins Spiel: die Lokalanästhesie. Sie soll als sogenannter „vierter Weg“ ermöglicht werden.

Das lehnt die TVT aus Tierschutzgründen ab und warnt vor einem politischen „Durchdrücken“. „Aus der Sicht des Tierschutzes ist weder die Fristverlängerung noch der vierte Weg eine akzeptable Option“, schreibt Blaha. Dagegen spreche, dass es kein zugelassenes Medikament für eine örtliche Betäubung gibt und der Schmerz nicht ausgeschaltet, sondern nur gemildert wird.

Blaha geht davon aus, dass zukünftig eine große Anzahl unzureichend betäubter Ferkel kastriert wird. Das sei ein schwerer Verstoß gegen das Tierschutzrecht. Es sieht außerdem die ethische Verpflichtung vor, schonend mit Mitgeschöpfen umzugehen.

Auswirkungen sieht Blaha auch auf die Landwirtschaft: „Videos davon werden von Tierschutzorganisationen sicherlich nach kurzer Zeit veröffentlicht. Das wird, neben den rechtlichen Konsequenzen, zu einem weiteren, begründeten Imageverlust des Schweinefleischs führen und damit nicht nur die Landwirte, sondern auch die Verarbeiter und den Einzelhandel hart treffen.“

In dem offenen Brief bittet die TVT die Landwirtschaftsministerin, einer Zulassung der Lokalanästhesie und einer Fristverlängerung zu widerstehen. Stattdessen solle sich Klöckner für die Impfung einsetzen und die politischen Rahmenbedingungen dafür schaffen.

Niedersachsen will Verbot der betäubungslosen Kastration auf 2020 verschieben

Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast will das ab kommenden Jahr geltende Verbot der betäubungslosen Kastration männlicher Ferkel auf 2020 verschieben, weil es keine praxistauglichen Alternativen gibt. Gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung sprach sie von „zu erwartenden Strukturbrüchen“, sollte das Verbot jetzt schon kommen. In den vergangenen zehn Jahren sei die Zahl der Sauenhalter im Land bereits um 8.424 auf derzeit noch 1.900 Betriebe abgestürzt. Die Zahl der Zuchtsauen ist um etwa ein Viertel oder 152.502 Tiere gesunken.

Daher wolle Otte-Kinast jetzt einen entsprechenden Bundesratsvorstoß von Bayern unterstützen, heißt es. Die Alternativen seien aus Sicht des Ministeriums noch immer nicht ausreichend erforscht. So würden bei einer Vollnarkosevariante etwa 5 % der Ferkel nicht mehr aufwachen, bei einer anderen Form wirke das Mittel bei 30 % der Tiere. Die CDU-Politikerin spricht sich für den „skandinavischen“ oder „vierten“ Weg aus, bei dem die Kastration unter lokaler Anästhesie vorgenommen wird. Doch auch dort gibt es noch offene Gesetzesänderungen, Fragezeichen und laufende Studien, so die Zeitung weiter. So laufe derzeit ein Pilotprojekt der Uni München und des Schweinegesundheitsdienstes Niedersachsen, in der mögliche Kastrationsmittel geprüft werden.

Voraussichtlich am 14. August soll das Landeskabinett ihre Haltung im Bundesrat besprechen. Otte-Kinast setzt dabei darauf, dass SPD-Ministerpräsident Stephan Weil den Vorstoß unterstützt, schreibt die NOZ. Ein Votum Niedersachsens hätte eine bundesweite Signalwirkung, sagte Otte-Kinast mit Blick auf andere SPD-regierte Bundesländer.

Quelle: agrarzeitung, SUS

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