Ebermast ist kein Selbstläufer

Ebermast
Quelle: top agrar

Über die Ebermast, ihre Gründe und Folgen wird noch immer heftig diskutiert. So auch beim Symposium zum Thema Eberfleisch von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG).

Der von Tierschützern und anderen gesellschaftlichen Gruppen geforderte Verzicht auf das Kastrieren von Ferkeln wirft in der praktischen Umsetzung noch immer viele Fragen auf, was eine faktenorientierte, öffentliche Kommunikation nötig macht. So lautet zusammengefasst das Ergebnis eines Symposiums zum Thema Eberfleisch, das kürzlich von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) durchgeführt wurde. Fakt ist, dass laut novelliertem Tierschutzgesetz in Deutschland ab 2019 die betäubungslose Ferkelkastration verboten sei. Allerdings diene die derzeit praktizierte chirurgische Kastration von Ferkeln mit schmerzstillenden Verfahren zur Vermeidung des Ebergeruchs nur als Zwischenlösung bis zum gänzlichen Verzicht der Kastration.

Der DLG-Projektleiter für Schweineproduktion, Sven Häuser, berichtete, dass die Jungebermast in der landwirtschaftlichen Praxis funktionieren könne, wenn die hohen Anforderungen an das Management wie Aufstallung, Fütterung und Vermarktung erfüllt seien. Dieses Produktionsverfahren sei besonders geeignet für diejenigen Erzeuger, die auf Verarbeitungsstrukturen in der näheren Umgebung zurückgreifen könnten. Lange Transportwege quer durch die Republik seien jedoch nicht nur aus Tierschutzgründen abzulehnen; sie führten auch nachweislich zu schlechteren Fleischqualitäten.
Laut Darstellung von Dr. Ulrike Weiler von der Universität Hohenheim muss bei Kastrationsverzicht vermieden werden, dass bei gemischter Haltung trächtige Jungsauen in großer Zahl zur Schlachtung gelangen. Die getrenntgeschlechtliche Jungebermast sei deshalb ein Muss, wobei das unter Tierschutzgesichtspunkten problematische Aggressionsverhalten der männlichen Tiere im Blick zu behalten sei.

Ebergeruch ist die Achillesferse

Die „Achillesferse“ bei der Jungebermast ist laut Häuser weniger die Haltung der Tiere, sondern die eindeutige Identifikation von „Stinkern“ am Schlachtband sowie deren Vermarktung. International gesehen gebe es deutliche Unterschiede in der Wahrnehmung und Akzeptanz von Ebergeruch. In England oder Portugal werde Eberfleisch beispielsweise wesentlich besser akzeptiert als in Frankreich, Schweden oder Deutschland. Aus anderen Ländern gesammelte Erkenntnisse seien deshalb nicht automatisch auf Deutschland übertragbar, so der DLG-Experte.

Dr. Daniel Mörlein vom Institut für Sensorikforschung und Innovationsberatung (isi) in Göttingen erläuterte, dass der Begriff „Ebergeruch“ derzeit universell genutzt werde, obwohl er sehr unterschiedliche Geruchsqualitäten beschreibe. Dies habe Konsequenzen für die neutrale Geruchsbewertung beziehungsweise die Ausbildung von Testpersonen, denn für eine objektiv beschreibende Prüfung sei ein einheitliches Begriffsverständnis zwischen den Prüfpersonen essentiell. Nach Aussage von Prof. Matthias Upmann von der Hochschule Ostwestfalen Lippe steht für die Schlacht- und Fleischuntersuchung derzeit noch kein amtliches Verfahren für Geruchstests am Schlachtband zur Verfügung. (topagrar)

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