Ebermast stressreich für Tiere

Auftreten von Blut in einer Eberbucht nach Penisbeißen
Bild: M. Isernhagen

Ab 2019 wird die betäubungslose Kastration von Saugferkeln in Deutschland verboten sein. An Möglichkeiten zur Kastration von Saugferkeln unter Betäubung wird derzeit intensiv geforscht, doch auch der Anteil an Eberfleisch auf dem Markt steigt. Eine Studie der LMU München hat sich nun damit beschäftigt, wie sich die Mast unkastrierter männlicher Schweine auf das Wohlbefinden der Tiere auswirkt.

Für die Untersuchung beurteilten die Forscher das Verhalten der Tiere und die Zahl der Verletzungen ab Einstallung einmal wöchentlich bis Mastende. Dabei unterschieden sie zwischen rund 500 Ebern, 100 Kastraten und 300 weiblichen Mastschweinen.

17 mal häufigeres Aufreiten

aufreitender Eber
Bild: M. Isernhagen
Die Eber zeigten in den drei Betrieben eindeutig ein ausgeprägteres Sexual- und Aggressionsverhalten als Kastraten und weibliche Tiere: 17 mal häufiger ritten sie auf, wobei bei ihnen als einziger Vergleichsgruppe auch ein längeres Aufreiten beobachtet wurde, was nicht nur als Dominanz-, sondern auch als Sexualverhalten gedeutet werden kann. Das Aufreiten erhöht nicht nur den Stressfaktor der Tiere, sondern kann auch zu mehr Hautverletzungen und Gliedmaßenproblemen führen, sodass hochgradige Lahmheiten bei den Ebern auch am häufigsten zu Abgängen führten.

Auftreten von Aufreiten, Kämpfen und Beißen
Quelle: M. Isernhagen

Die Nebennieren, die das Stresshormon Cortisol produzieren, wurden bei einem Schlachtgewicht von 120kg entnommen und gewogen. Dabei hatten die Nebennieren der Masteber das höchste Gewicht im Verhältnis zur Körpermasse, was ein Hinweis auf eine erhöhte Stressbelastung sein könnte.

Massenhafte Verletzungen des Penis
Am auffälligsten jedoch war die Beurteilung der Penisse im Schlachthof: kein einziger Kastrat hatte sichtbare Verletzungen oder Narben am Penis, während die Forscher bei 83% der Masteber Läsionen am Geschlechtsteil fanden. Diese reichten von einer bis zehn Verletzungen am Penis selbst bis zu Teilverlusten der Penisspitze, die bei drei Tieren auftraten. Dieser Unterschied könnte sich dadurch erklären, dass kastrierte Eber ihren Penis nicht ausschachten können.
Sehen die Eber ein anderes Masttier beim Aufreiten, fangen sie an, an dem ausgeschachteten Penis zu nagen, was zu der großen Zahl an Verletzungen führt.
Aufgrund der Verhaltensauffälligkeiten sowie wie dem Auftreten von Lahmheiten, Haut-
und Penisverletzungen vermuten die Autoren, dass Ebermast durchaus stressreicher für die Masttiere sein könnte als die Mast von kastrierten männlichen Schweinen.

Bilder: M. Isernhagen
Eberpenisse mit Narben und frischen Wunden



Quelle:

Marie Isernhagen – Haltung von Ebern unter herkömmlichen Mastbedingungen, 2015

Vet-consult Magazin

Online-Kurse