Einzel-Studie: "Fast alle Schweine haben Gelenk- und Klauenprobleme"

Laut Wissenschaftlern sind Spaltenböden Grund der Erkrankungen
Quelle: top agrar

Ein neue Studie der Tierärztlichen Fakultät an der Ludwig-Maximilians-Universität in München sorgt für weitere Negativpresse über die Tierhaltung. So sollen 90 % der Schweine, die in süddeutschen Schlachthöfen angeliefert werden, an schmerzhaften Entzündungen ihrer Beingelenke leiden.

Durchgeführt hat die Studie der Veterinärmediziner Prof. Manfred Gareis. Eine Doktorandin von ihm hat für die Untersuchung allerdings lediglich 948 Schlachtschweine aus konventioneller Haltung von drei Betrieben herangezogen. Repräsentativ ist die Aussage damit nicht. Umstritten ist auch seine pauschale Hochrechnung auf ganz Bayern anhand dieser schwachen Datenlage. 

Schwerpunkt Spaltenböden

Der Grund der Erkrankungen ist nach Ansicht von Prof. Gareis die Haltung der Tiere auf Spaltenböden, zitiert die Süddeutsche Zeitung. Das sei ein Skandal. "Wenn es Mästern und Politikern ernst ist mit dem Tierwohl, dann muss die Schweinehaltung endlich verbessert werden", sagt Gareis.

Laut dem Professor hätten die Tiere an den Gelenken der Vorder- und Hinterläufe bis zu tennisballgroße Hilfsschleimbeutel. Die Haut um sie herum sei unnatürlich gerötet und sehe wund aus. "Ursache sind chronische Entzündungen der Beingelenke", sagt Gareis.
Die Doktorandin stellte außerdem fest, dass mehr als ein Viertel der Schlachttiere verletzte Fußballen hatten. "Etliche hatten sogar frische blutige Risse in ihren Ballenhörnern", sagt Gareis. "Bei anderen waren sie wenigstens abgeheilt." Auch diese Wunden sind für die Tiere sehr schmerzhaft. Tierschützer fordern daher eine Rückkehr zur Einstreu von Stroh und ein Ende der Massentierhaltung.  

Fachleute empört über falsche Behauptungen

Mit großer Verwunderung haben unterdessen andere Wissenschaftler, Tierärzte und Praktiker auf die medienwirksamen Aussagen reagiert, zumal die Studie noch gar nicht einsehbar ist. Sie bestätigen, dass die Studie keinesfalls repräsentativ und die gewählten Betriebe nicht stellvertretend für alle Tierhalter seien.

Der wichtigste Kritikpunkt ist aber, dass nicht die Spalten Ursache des Problem sind, sondern die Fütterung. Ein Fütterungsproblem führe zu schlechten Klauen, die Tiere gingen dann in die Schonhaltung und lägen viel. Dadurch entstünden die Schleimbeutel, heißt es.
Die von Tierschützern so gerne geforderte Stroheintreu ist aus Sicht der Fachleute keine Alternative. Da die Klauen nicht abgenutzt und sehr lang werden, entstehen neue Probleme an den Gelenken. Die Praktiker sehen in der aktuellen veröffentlichung daher eine gezielte Aktion zur Diffamierung der konventionellen Schweinehaltung. (topagrar)

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