Ferkelkastration

Immunokastration als Goldstandard

Ferkel
Ferkel würden die Immunokastration wählen! Foto: kunstzirkus, pixelio.de

Keine chirurgische Kastration ist jeder denkbaren Variante der chirurgischen Kastration vorzuziehen. Darüber waren sich die Teilnehmer des Symposiums Ferkelkastration in Mannheim einig und sehen die Immunokastration als Methode der Wahl.

Auf Initiative der Landestierärztekammer Baden-Württemberg und mit Unterstützung landesweiter Landestierärztekammern sowie tierärztlicher Vereinigungen fand am 17.10.18 ein gelungenes Symposium zur Thematik mit Tierärzten, Vertretern der Landwirtschaft und des Einzelhandels in Mannheim statt. Die geplante Fristverlängerung für das Verbot der chirurgischen Kastration um zwei Jahre fand deutliche Kritik.

Es blieb letztendlich das Unverständnis der Tierärzte darüber, wieviel Energie von Seiten der Politik in weniger geeignete Verfahren gesteckt wird, anstatt die Überwindung der Barrieren anzugehen, die (vermeintlich) der Einführung der tierschutz-und arzneimittelrechtskonformen Variante entgegenstehen. Dr. Steidl, Präsident der Landestierärztekammer Baden- Württemberg: “Wenn eine Fristverlängerung überhaupt vertretbar ist, so muss für alle neu entwickelten Methoden gelten, dass sie an der Immunokastration gemessen werden.“

„Die Verlängerung darf nicht dazu benutzt werden, dem sog. 4. Weg, also der Kastration unter Lokalanästhesie, weiter das Wort zu reden“, so Dr. Julia Stubenbord, Landestierschutzbeauftragte in Baden-Württemberg. Die ebenfalls von der Landwirtschaft angestrebte Variante, unter dem Narkosegas Isofluran zu kastrieren, wird ebenfalls sehr kritisch gesehen. Steidl dazu: „Isofluran ist problematisch, was Arbeits-und Umweltschutz angeht. Davon abgesehen gehören Narkosemittel nicht in Laienhände.“

Ein wichtiger Aspekt, der bisher in der Diskussion kaum beachtet wurde: die Eröffnung von Haut und Hodensack im Rahmen der chirurgischen Kastration schafft eine formidable Eintrittspforte für Erreger. Entstehende Infektionen müssen mit Antibiotika behandelt werden. Und das in Zeiten der Antibiotikaminimierung.

Auch wenn sich die Einführung der Immunokastration derzeit noch gewissen Schwierigkeiten in der Vermarktungskette gegenüber sieht, wurde in der Diskussion keine davon als unlösbar bewertet – auch von den anwesenden Vertretern des Einzelhandels.

Spontaner Gast war Prof. Jens Bülte, Lehrstuhlinhaber für Strafrecht, Strafprozessrecht, Wirtschafts-und Steuerstrafrecht an der Universität Mannheim, der seine Einschätzung zur Verfassungswidrigkeit der Fristverlängerung erläuterte, die er beim Fachgespräch im Bundestag vergangene Woche vertreten hatte.

Es bleibt abzuwarten, unter welchen politischen Einflüssen und Wahlergebnissen die Entscheidung zur Fristverlängerung auf politischer Ebene getroffen wird.

Quelle: PM Landestierärztekammer Baden-Württemberg

Foto: kunstzirkus, pixelio.de

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