Ferkelkastration

Immunokastration - tierschutzfachlich der beste Weg

FLI Immunokastration
Das FLI hält die Impfung für die aus Tierschutzsicht beste Variante. screenshot: FLI Stellungnahme

Das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) hat eine Stellungnahme zu den Alternativen der betäubungslosen Ferkelkastration veröffentlicht und gibt der Impfung gegen Ebergeruch eindeutig den Vorzug.

Seit der Agrarausschuss des Bundesrates gegen eine Verlängerung der Übergangsfrist votiert hat, zeichnet sich ab: ab Anfang nächsten Jahres dürfen männliche Ferkel in Deutschland nicht mehr ohne Betäubung kastriert werden. Bei Abwägung der zur Verfügung stehenden drei Alternativen, nämlich Kastration unter Betäubung, Jungeberaufzucht oder Immunokastration spricht sich das FLI für letztere, also die Impfung gegen Ebergeruch, aus.

Hierzu werden die männlichen Schweine zweimal geimpft. So wird das Immunsystem angeregt, den körpereigenen Gonadotropin-Releasing Factor (GnRF) zu blockieren. Dadurch wird die Bildung von Androstenon im Hoden unterdrückt und der Abbau von Skatol verstärkt. Beides ist dafür verantwortlich, den Ebergeruch zu verhindern. Das FLI hält die Belastung der Tiere durch die Impfung für deutlich geringer als die bei der chirurgischen Kastration. Bei der Jungeberemast besteht die größte Belastung der Tiere durch das pubertäre Verhalten der Tiere. Diese Verhaltensweisen werden aber durch die Impfung deutlich reduziert und geimpfte Eber verhalten sich dann wie chirurgisch kastrierte Tiere.

Die Argumente gegen die Immunokastration beziehen sich überwiegend auf ökonomische Risiken, insbesondere die Unsicherheit, ob Verbraucherinnen und Verbraucher Fleisch geimpfter Tiere akzeptieren. Das FLI betont die Unbedenklichkeit des Impfstoffes für Lebensmittel, dieser wirkt nur nach Injektion und wird nach oraler Aufnahme vollständig abgebaut. Es handele sich auch nicht um "Hormonfleisch". Zwar werde in den Hormonhaushalt eingegriffen, dies geschieht aber ebenso bei der Kastration.

Dass der Verzicht auf die betäubungslose Kastration zu höheren Kosten führen kann, ist hinlänglich bekannt. Gerade die Impfung gegen Ebergeruch ist laut mehrerer Studien und Praxiserfahrungen jedoch zumindest kostenneutral bzw. hat einen Kostenvorteil gegenüber anderen Alternativen, da geimpfte Tiere bis zur zweiten Impfung eine bessere Zunahme und Futterverwertung zeigen als chirurgisch kastrierte Tiere. Allerdings verschieben sich bei der Impfung die Kosten (inkl. Arbeitskosten) der Kastration vom Ferkelproduzenten zum Mäster.

Landwirtschaft, Schlacht- und Handelsunternehmen sollten sich deutlicher als bisher und umfassend zur Abnahme des Fleisches von immunokastrierten Tieren verpflichten. Das FLI sieht die Politik in der Verantwortung, die Aufklärung der Verbraucherinnen und Verbraucher nachhaltig zu unterstützen. Denn aus Sicht des wissenschaftlichen Tierschutzes stellt die Immunokastration die mit Abstand beste Alternative zur betäubungslosen Kastration dar.

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