Kastration: GroKo will Fristverlängerung

Kastration
Die Große Koalition erwägt, die Kastration mit Schmerzmittel weitere zwei Jahre zuzulassen. Foto: Heil

Die Koalition von CDU und SPD will den Bauern beim Verbot der betäubungslosen Kastration von Ferkeln entgegen kommen. Sie wollen für das Verbot eine Übergangsfrist von zwei Jahren schaffen.

Beim anstehenden Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration keimt jetzt nochmal Hoffnung auf. Der Koalitionsausschuss von CDU/CSU und SPD hat sich auf eine Fraktionsinitiative geeinigt. Ziel ist, die Übergangsfrist des zum 1. Januar 2019 greifenden Verbots der betäubungslosen Ferkelkastration um zwei Jahre zu verlängern. Die Koalitionsfraktionen sollen dafür im Bundestag eine Initiative mit dem Ziel auf den Weg bringen, die Übergangsfrist bis zum vollen Verbot um zwei Jahre zu verlängern. 

Der Bauernverband hatte  angesichts der generell schwierigen wirtschaftlichen Lage vieler Schweinehalter dringend für eine Verschiebung geworben und darauf verwiesen, dass es keine praktikablen Alternativverfahren gebe. Das Verbot ab 2019 war bereits mit der Reform des Tierschutzgesetzes 2013 beschlossen worden. Der Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes, Franz-Josef Holzenkamp, äußerte sich nun erleichtert: "Die geplante Verlängerung ist ein Hoffnungszeichen für die Fleischwirtschaft", auch wenn das Wunschergebnis des Verbandes nicht erreicht sei. "Damit endet nicht die extrem schädliche Hängepartie, in der sich der gesamte Sektor befindet", so Holzenkamp.

Auch die Verbraucherschutzminister von Baden-Württemberg und Niedersachsen, Peter Hauk und Barbara Otte-Kinast (beide CDU), begrüßten eine längere Übergangsfrist. Damit werde Zeit gewonnen, an Alternativen zur betäubungslosen Kastration zu arbeiten, sagte Hauk. Auch Otte-Kinast forderte die Branche dazu auf, die Zeit zu nutzen, um tragfähige Lösungen zu entwickeln.

Verrat am Staatsziel Tierschutz: Scharfe Kritik von Seiten der Tierschützer

Mit scharfen Worten kritisiert der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, die geplante Fristverlängerung: "Was der Koalitionsausschuss beschlossen hat, ist Verrat an den Ferkeln und Verrat am Staatsziel Tierschutz und wurde offenbar wie auf einem Basar in die Pokerrunden um Diesel und Zuwanderung eingepreist", heißt es in einem Statement: "Schonungsloser können die Agrarpolitiker der Regierungsfraktionen nicht offenbaren, wie sehr sie am Rockzipfel der Agrarindustrie hängen."

Mit der Abstimmung der Fraktionsinitiative im Bundestag rechnen Insider frühestens nach der Wahl in Bayern, die Mitte Oktober 2018 erfolgt. Noch ist unklar, ob das Vorhaben im Bundestag die nötigen Mehrheiten findet.

Quelle: SUS; LZ

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