MMA-Früherkennung: Temperatur messen – was bringt's?

Thermometer
Foto: Müller

Der Mastitis-Metritis-Agalaktie-Komplex (MMA) führt zu Ferkelverlusten und Leistungsminderung der Sauen. Eine Studie der FU Berlin hat untersucht, wie Landwirt und Tierarzt die Krankheit frühstmöglich erkennen, damit die Behandlung zügig beginnen kann.

Versiegt ein bis zwei Tage nach der Geburt die Milch der Sau und sieht man übelriechenden Ausfluss aus der Vagina, spricht man meist von Mastitis (Gesäugeentzündung), Metritis (Gebärmutterentzündung) und Agalaktie (Versiegen, oft auch nur erheblicher Mangel an Milch), denn diese Krankheiten treten oft als Komplex auf.
Durch die vielfältigen Entzündungen haben die Sauen in den meisten Fällen erhöhte Temperatur und ein gestörtes Allgemeinbefinden. Mastitis und Metritis können auch isoliert auftreten, wobei Ersteres weitaus öfter vorkommt.

Fieber kein sicheres Anzeichen
Ein Viertel der Sauen in Stallhaltung erkrankt nach dem Abferkeln an MMA. Dies nahmen Wissenschaftler der TU Berlin zum Anlass, bei rund 200 Sauen den Zusammenhang zwischen peripartalem Fieber und dem Auftreten von Krankheitssymptomen zu untersuchen. Denn je früher MMA erkannt wird, umso geringer sind die Verluste. Fast alle Muttertiere hatten in der ersten Säugewoche mindestesn einmal erhöhte Temperatur (>39,5°C), es erkrankten jedoch nur acht davon. Das Fiebermessen in den ersten drei Tagen nach dem Abferkeln hat sich bei den Landwirten bereits durchgesetzt, bleibt aber nur ein Frühwarnsystem. Dabei ist zu beachten, dass die Körpertemperatur tageszeitlichen Schwankungen unterliegt: In der Studie hatten die Sauen morgens mit durchschnittlich 39°C die höchste, nachmittags mit 39,4° die höchste Temperatur. Darüber hinaus hängt die Rektaltemperatur von der Dauer des Abferkelns, der Körperkondition, dem Alter der Sau (Jungsauen haben eine höhere Temperatur als Altsauen) und einer eventuell bereits erfolgten Medikamentengabe ab.

Tierbeobachtung Schlüssel zur Früherkennung

Eine gute Tierbeobachtung ist daher am wichtigsten, mindestens zwei Mal täglich, am besten beim Füttern. Hier geben die Ferkel die schnellsten Hinweise: Da das Säugen an entzündeten Zitzen der Sau Schmerzen bereitet, sind die Ferkel einer an MMA erkrankten Sau oft hungerbedingt aktiver. Die Sau liegt lieber auf dem Bauch, um die Ferkel am Säugen zu hindern, bleibt auch bei der Fütterung liegen und frisst ihren Trog nicht leer. Beim Blick auf das Gesäuge fällt meist eine Schwellung auf, es ist gerötet, warm und schmerzhaft.

Ferkelverluste geschehen meist durch Erdrücken der bereits geschwächten und hungernden Ferkel. Überlebende Wurfgeschwister kümmern oft, da durch zu eine zu geringe Kolostrumaufnahm infektanfälliger sind. Auch die Sau trägt oft Schäden davon. Besonders wenn MMA zu spät erkannt wird, hat sich oft bereits eine kattharalisch-eitrige Mastitis entwickelt, die das Gesäuge nachhaltig schädigen kann. Im nächsten Zyklus kann es durch chronische Endometritis zu Konzeptionsstörungen kommen.

Daher sollte jeder Sauenhalter ein eigenes Konzept haben, wie er seine Tiere regelmäßig kontrolliert.

Quellen:

"The course of rectal and vaginal temperature in early postpartum sows"

www.topagrar.de

www.pigpool.de

Bild: Martin Müller  / pixelio.de

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