Ferkelkastration

Noch jede vierte Isoflurannarkose unzureichend

Kastration
Foto: SUS

Die Ferkelkastration unter Isoflurannarkose könnte eine Alternative zur betäubungslosen Kastration sein, allerdings nur mit technischen Nachbesserungen.

Obwohl erwiesen ist, dass die Kastration männlicher Saugferkel mit erheblichen Schmerzen und Leiden einhergeht, wird sie bis dato nur in Verbindung mit vorheriger Gabe eines schwachen Analgetikums durchgeführt. Als eine Alternative zur betäubungslosen Kastration wird die Kastration unter automatisierter Isoflurannarkose diskutiert. Sie zeichnet sich durch eine schnelle und sichere Narkoseeinleitung und -erhaltung sowie eine kurze und problemlose Aufwachphase aus und führt in Kombination mit einem Analgetikum zu einer ausreichenden Schmerz- und Stressreduktion während der Kastration.

In einer Studie der TiHo Hannover wurde die Praktikabilität und Effektivität einer automatisierten Isoflurannarkose mit dem Narkosegerät PIGNAP Pro (Agrosystems GmbH, CH) in der kommerziellen Schweinehaltung bewertet. Dieses Gerät wurde für den Einsatz im Stall konstruiert und bietet die Möglichkeit jeweils zwei Ferkel parallel zu narkotisieren.

Reflex-, Laut- und Bewegungsausschaltung

Im Rahmen eines Feldversuches wurden in drei verschiedenen Ferkelerzeugerbetrieben 1166 Ferkel wähend der Kastration unter Narkose beobachtet. Eine ausreichende Narkosetiefe lag vor, wenn Lid- und Flexorreflex ausgefallen waren und die Ferkel keine oder nur geringe Lautäußerungen und Bewegungen zeigten. Nur 77% der Tiere waren tatsächlich ausreichend tief narkotisiert.

Jede vierte Narkosetiefe unzureichend

Steigendes Alter und Gewicht sowie das Handling der Tiere bei der Kastration scheinen einen Einfluss auf die Narkosetiefe zu haben. Eine Rate von nur 77 % ausreichend narkotisierter Ferkel stellt nach Ansicht der Autoren kein angemessenes Ergebnis für die kommerzielle Nutzung dieser Technologie dar. Gleichwohl sei sie, nach technischer Überarbeitung, eine durchaus erfolgsversprechende Methode zur Schmerzausschaltung bei der Saugferkelkastration. Eine Verbesserung könne hier die zusätzliche Installation einer Waage am Narkosegerät bringen, wodurch eine gewichtsabhängige Narkoseeinleitung möglich wäre.

Die Applikation von NSAIDs verbessert die Qualität der Narkosetiefe, allerdings muss sie als präoperative Schmerzmedikation 20 Minuten vor dem Eingriff erfolgen. Eine zeitgleiche Injektion unmittelbar vor der Kastration führt lediglich zu einer Linderung der Schmerzen post castrationem.

Narkoseüberwachung nicht ohne Tierarzt/-ärztin

Auch wenn automatisierte Narkosegeräte durch ihren einfachen Aufbau für medizinische Laien leicht zu bedienen sind, sollten aus fachlicher Sicht die Durchführung und Überwachung der Narkose immer in veterinärmedizinischer Hand liegen und die Anwesenheit eines Tierarztes obligatorisch sein.

Quelle: Schwennen, C: Untersuchungen zur Anwendbarkeit der Isoflurannarkose bei der Ferkelkastration sowie deren Auswirkung auf Produktionsparameter in der Ferkelerzeugung unter konventionellen Produktionsbedingungen. Dissertation, Klinik für kleine Klauentiere und forensische Medizin und Ambulatorische Klinik, Hannover, 2015

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