Remmel will Nutztierhaltung erneuern

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Foto: top agrar

Unter dem Stichpunkt „Tierhaltung NRW4.0“ präsentierte NRW-Landwirtschafts- und Verbraucherschutzminister Johannes Remmel am 15.06. bei einer Fachtagung im Versuchs- und Bildungszentrum Landwirtschaft Haus Düsse in Bad Sassendorf „grüne“ Ideen zur Neuausrichtung der Tierhaltung.

Gegenüber den rund 350 Zuhörern erklärte Remmel: „Wir brauchen in Zukunft ein Gesamtkonzept, bei dem ökologische, soziale und ökonomische Komponenten gleichermaßen gewichtet sind. Dabei muss natürlich berücksichtigt werden, das die bäuerliche Landwirtschaft auch weiterhin betriebliche Entwicklungsmöglichkeiten hat.“ Dafür nannte der Minister fünf wichtige Grundsätze:
1. Die Entscheidung, wie ein Betrieb weiterentwickelt werde, müsse selbstverständlich weiter beim Landwirt liegen. Hier mische sich die Landesregierung nicht ein.
2. Auch der Berufsstand dürfe sich vor den Herausforderungen der Weiterentwicklung der  Tierhaltung nicht verstecken.
3. Notwendig sei für diese Weiterentwicklung ein ganzheitlicher Ansatz, der alle Bereiche der Wertschöpfungskette einschließe.
4. Die Landesregierung setze auf den Dialog mit den Landwirten. Insbesondere gelten die zwischen Berufsstand und Ministerium geschlossenen Vereinbarungen für einen gemeinsamen Fahrplan, um bis 2016 auf das routinemäßige Kürzen des Ringelschwanzes und bis 2017 auf das Kürzen der Oberschnäbel bei Geflügel zu verzichten.
5. Freiwillige Maßnahmen der Wirtschaft seien ein guter Ansatz, Lösungen für die bestehenden Probleme zu finden. Insbesondere lobte der Minister in diesem Zusammenhang die Initiative Tierwohl, die Landwirte, Schlachter und der Lebensmitteleinzelhandel auf den Weg gebracht haben. Wichtig sei aber, dass diese Initiative jetzt weiterentwickelt werde und dabei insbesondere eine Kennzeichnung des Fleisches möglich werde, das nach Tierwohlkriterien erzeugt worden sei.

Mehr Platz für Schweine, mehr regionale Vermarktung

Konkrete Vorschläge zur geplanten Erneuerung der Tierhaltung macht der Minister in seinem Arbeitspapier „Nachhaltige Nutztierhaltung NRW“.
- Haltung: Das Haltungssystem und das Management müssen sich an den Bedürfnissen der Tiere orientieren und nicht umgekehrt. Nutztiere dürfen leistungsmäßig nicht überfordert werden. Das Platzangebot soll erhöht werden.
- Zucht: Die Zuchtziele sollen neu definiert werden. Künftig sollen die Faktoren Robustheit, Langlebigkeit und Gesundheit stärker im Fokus stehen.
- Medikamenteneinsatz: Der Einsatz von Antibiotika soll auf das therapeutisch erforderliche Minimalmaß zurückgeführt werden. Der Gebrauch von Hormonen, z.B. zur Brunstsynchronisation bei Sauen, soll ebenfalls reduziert werden.
- Umweltgerechte Modernisierung der Nutztierhaltung: Emissionen aus Ställen sollen durch den verstärkten Einsatz von Abluftfiltern reduziert werden. Im Rahmen der Novellierung der TA-Luft sollen Abluftfilter künftig „Stand der Technik“ sein. Im Rahmen der Überarbeitung der Düngeverordnung ist u.a. geplant, die Sperrzeiten im Herbst auszuweiten. Zudem sollen alle organischen Düngemittel in die Begrenzung auf 170 kg N/ha und Jahr einbezogen werden.
- Wirtschaftliche Rahmenbedingungen: Regionale Wertschöpfungsketten und die Marktstellung der Erzeuger sollen gestärkt werden, die Betriebe sollen bei der Erschließung neuer Einkommensmöglichkeiten unterstützt werden. Die Landesregierung will die Regionalisierung bei der Lebensmittelerzeugung vorantreiben. In einer wissenschaftlichen Begleitstudie soll untersucht werden, wie sich steigende Produktionskosten durch höhere Preise am Markt refinanzieren lassen.

In den nächsten Wochen können die Bauernverbände und andere ihre Stellungnahme zu den Vorschlägen abgeben und Änderungswünsche einbringen.

Bei den anwesenden Landwirten und Verbandsvertretern stießen die Remmel’schen Pläne auf Kritik. Insbesondere Hubertus Beringmeier, Vorsitzender des landwirtschaftlichen Kreisverbandes Paderborn des WLV, machte in der Diskussionsrunde seinem Unmut Luft. „Alleingänge auf Landesebene sind tödlich. Und warum torpediert der Minister mit so einem Papier gerade jetzt die von der Wirtschaft getragene Initiative Tierwohl?“, fragte Beringmeier. (topagrar)

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