Schnellere Zunahmen bei gemischtgeschlechtlicher Haltung

Jungschweine
Bild: Sus

In jeder Gruppe von Herdentieren bildet sich eine Rangordnung aus, die den alltäglichen Stress beim Kampf um Futter- und Ruheplätze verringert. Welchen Einfluss hat dabei das Geschlechterverhältnis auf biologische Leistungen?

Schon 2005 wurde in einer Studie (Lindermayer und Propstmeier) klar, dass die gemischtgeschlechtliche Mast die Tiere besser zunehmen lässt – trotz geringerem Futterverbrauch. Da in den letzten Jahren immer mehr Eber unkastriert gemästet werden, stellt sich die Frage, wie sich eine gemischtgeschlechtliche Mast heute auf Tageszunahmen und Gesundheitszustand der Tiere auswirkt.
Das Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie hat nun eine weitere Studie an über 1000 Ferkeln durchgeführt. Dabei wurden männlich intakte, männlich kastrierte und weibliche Ferkel getrennt bezüglich ihrer biologischen Leistung, ihres Verhaltens und ihres Gesundheitszustand bis zum Schlachttag beobachtet.

Weniger Verletzungen
Bei gemischtgeschlechtlicher Haltung kamen sowohl bei Ebern wie auch bei weiblichen Tieren leichte Verletzungen, die auf kleinere Rangkämpfe zurückführbar sind, etwas öfter vor. Dafür wurden schwere Verletzungen deutlich seltener beobachtet. Sind die männlichen Tiere dagegen kastriert, nehmen die Verletzungen bei gemeinsamer Mast mit weiblichen Tieren zu (s. Grafik).
Das lässt sich unter anderem dadurch erklären, dass Masteber unter sich täglich doppelt so lange um die Rangordnung kämpfen und 14-mal häufiger aufreiten (Müller et al., 2012). Werden sie zusammen mit weiblichen Tieren gemästet, sind sie besser von diesen Verhaltensweisen abgelenkt. Natürlich nicht ganz ohne Nachteile; vereinzelt werden dafür Frühträchtigkeiten nachgewiesen.

Quelle:
Beeinträchtigungen des Bewegungsapparates bei unterschiedlicher Aufstallung (Score)

Schnellere Zunahmen bei Ebern
Der ausgleichende Effekt einer gemischtgeschlechtlichen Haltung auf das Verhalten hat noch einen weiteren Vorteil für die Eber: im Schnitt nahmen sie in dieser Aufstallungsform mit 731g pro Tag und Tier um 35g mehr zu als ihre unter sich bleibenden Artgenossen. Die Frohwüchsigkeit ging jedoch zu Lasten ihrer weiblichen Kollegen: diese nahmen im Schnitt 10g weniger zu, wenn sie gemeinsam mit unkastrierten Ebern gemästet wurden. Außerdem nahmen die Eber in Gesellschaft des anderen Geschlechts zwar mehr zu, entwickelten jedoch auch vermehrt die Sexualgeruchsstoffe Androstenon und Skatol, womit sie zu 12% häufiger einen stark auffälligen Geruch bei Speckproben hatten.

Möglich ist die gemischtgeschlechtliche Aufstallung also trotz der häufiger werdenden Mästung unkastrierter Eber. In anderen Studien finden sich zudem Hinweise, dass in gemeinsamer Haltung nicht nur Verletzungen, sondern auch Schwanzbeißen seltener vorkommt, was mit dem gesellschaftlich zunehmend kritisch gesehenen Schwänzekupieren in Zukunft ein weiterer wichtiger Grund für gemischtgeschlechtliche Mast sein könnte.

Quellen:
www.smul.sachsen.de
Gemischt- oder getrenntgeschlechtliche Ebermast? Dr. Eckhard Meyer, Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft

Vet-consult Magazin

Online-Kurse