Schwänzekupieren ist Ländersache

Schwänzekupieren ist Ländersache
Bild: topagrar

Bayern sucht noch Betriebe, die zum Test ganz auf das Schwänzekupieren verzichten, in Mecklenburg-Vorpommern ist der Ausstieg 2018 bereits beschlossene Sache. So unterschiedlich sind die Strategien der Länder beim brisanten Thema Kupieren der Schwänze von Ferkeln.

Mecklenburg-Vorpommern strebt an, ab 1. Oktober 2017 komplett auf den Eingriff zu verzichten. Schon jetzt ist gerichtlich festgelegt, die Schwänze um nur maximal ein Drittel zu kürzen, so wie in vielen anderen Bundesländern auch. Am genauesten wird darauf in Thüringen geachtet: der entsprechende Erlass von 2011 wird nun mit zusätzlichen Kontrolleuren der Amtsveterinäre in die Tat umgesetzt. Auch Dr. Till Backhaus, Landwirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern, will für diese Kontrollen mehr Personal einstellen.
Mit einem Drei-Punkte-Plan wartet Schleswig-Holstein auf: Die Aufklärung der Tierärzte und weitere Forschung über Alternativen zum Schwänzekupieren ist die momentane Herangehensweise. In Stufen 2 und 3 werden dann erste konkrete Schritte getan, jedoch mit individuellen, auf jeden Betrieb zugeschnitten Maßnahmenplänen. So sollen bis Ende 2016 die Voraussetzungen für einen Komplettausstieg aus dem Kupieren geschaffen werden.
Den Weg der Freiwilligkeit wählt Niedersachsen bislang: Für die im Juni angekündigte “Ringelschwanzprämie” (s. vetconsult-Artikel vom 21.6.), die für jeden ungekürzten Ferkelschwanz am Schlachthof 16,50€ vorsieht, haben sich im August 116 niedersächsische Schweinehalter beworben. Die meisten sind Öko-Betriebe, die sowieso nicht kupieren; nur wenige konventionelle Tierhalter haben für die Prämie auf das Kürzen verzichtet.
Denn das Schwanzbeißen unter den Masttieren nimmt stark zu, wenn der Schwanz lang bleibt. Herbe Verluste sollen einige Betriebe hier bereits erlitten haben. Doch nicht nur das, auch die Ferkelerzeuger kommen wirtschaftlich in die Bredouille: Mäster kaufen lieber ausländische Ferkel mit kupiertem Schwanz, denn mit ihnen fahren sie weniger Verluste.
Nicht zuletzt bleibt also auch die Frage, ob ein überstürztes Verbot tatsächlich zu mehr Tierschutz führt, wenn dadurch die Schwanzverletzungen in erheblichem Ausmaße zunehmen.

Quellen:
Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben, 38/2015
topagrar

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