Aktionsplan Kupierverzicht

Seit Juli 19: Tierhaltererklärung vorlegen

Ringelschwanz
Durch die Risikobewertung im Betrieb sollen die Haltungsbedingungen optimiert und somit in Zukunft ein Kupierverzicht ermöglicht werden. Foto: Katharina Wieland Müller, pixelio.de

Vier Bundesländer haben festgelegt, dass seit dem 01.07.19 Tierhalter, die die Schwänze ihrer Schweine kupieren oder kuperte Ferkel einstallen, darlegen müssen, wieso das Kupieren in ihrem Betrieb unerlässlich ist.

Damit setzten Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Niedersachsen und Hessen einen weiteren Schritt des von der Agrarministerkonferenz im September 2018 beschlossenen "Aktionsplans Kupierverzicht" um. Bei veterinärrechtlichen Kontrollen in Schweinehaltungen mit kupierten Schwänzen wird jetzt in diesen Bundesländern das Vorliegen der gültigen Tierhaltererklärung überprüft. Diese Erklärung kann nur nach der Durchführung einer Risikoanalyse und der sich daraus ergebenden Optimierungsmaßnahmen sowie einer Dokumentation von Schwanz-/Ohrverletzungen ausgefüllt und verwendet werden.

Die AG Tierschutz der Länderarbeitsgemeinschaft Verbraucherschutz hat im Mai 2019 eine „Handreichung zur Umsetzung des Nationalen Aktionsplans Kupierverzicht“ abgestimmt, worin Antworten auf Fragen zur Risikoanalyse (also zur Erhebung von Schwanz- und Ohrverletzung, zur Beurteilung von Risikofaktoren im Betrieb wie Beschäftigung, Stallklima, Gesundheit und Fitness, Wettbewerb um Ressourcen, Ernährung, Struktur und Sauberkeit der Bucht) sowie zur Tierhalter-Erklärung gegeben werden. Das Papier dient der Orientierung bei der Umsetzung des Aktionsplans zur Einhaltung der Rechtsvorschriften in Bezug auf das Schwänzekupieren beim Schwein.

Das Ziel des Aktionsplans ist der schrittweise Einstieg in den Kupierverzicht. Die Umsetzung des Aktionsplans liegt bei den einzelnen Ländern. Sämtliche Informationen zum Schwanzbeißen, zum Aktionsplan Kupierverzicht sowie die erforderlichen Dokumente finden Sie auch auf www.ringelschwanz.info

Hintergrund:

Die Europäische Kommission hat in Audits 2017 und 2018 festgestellt, dass in der Bundesrepublik Deutschland und anderen EU-Mitgliedstaaten die tierschutzrechtlichen Vorschriften in Bezug auf das Kupieren von Schwänzen bei Schweinen nur unzureichend erfüllt werden. Die wesentlichen tierschutzrechtlichen Regelungen zum Schwänzekupieren beim Schwein ergeben sich aus § 6 TierSchG sowie der Richtlinie der Europäischen Union 2008/120/EG und der Empfehlung (EU) 2016/336 der Europäischen Kommission. Insbesondere kritisiere die EU-Kommission, dass die Unerlässlichkeit des Schwanzkupierens nicht dargelegt und der Eingriff routinemäßig durchgeführt wurde. Um die geltenden Rechtsvorschriften einzuhalten, haben Bund und Länder einen Aktionsplan zur Einhaltung der Rechtsvorschriften in Bezug auf das Schwänzekupieren erarbeitet. Die Agrarministerkonferenz (AMK) hat 2018 die Umsetzung dieses Aktionsplans beschlossen.

Gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 3 TierSchG darf bei unter vier Tage alten Ferkeln der Schwanz gekürzt werden, wenn der Eingriff im Einzelfall für die vorgesehene Nutzung des Tieres zu dessen Schutz oder zum Schutz anderer Tiere unerlässlich ist. Nach § 6 Abs. 5TierSchG ist der zuständigen Behörde auf Verlangen die Unerlässlichkeit glaubhaft nachzuweisen. Damit soll sichergestellt werden, dass die Haltungsbedingungen möglichst optimal an die Bedürfnisse der Schweine angepasst werden und der Eingriff nur begründet im Einzelfall durchgeführt wird.

Foto: Katharina Wieland Müller, pixelio.de

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