TiHo forscht an Leitfaden für Nottötung

Bolzenschussgerät
Foto: Kremling

Wissenschaftler suchen nach Kriterien, die Nutztierhaltern bei der Entscheidung helfen sollen, wann ein Tier aus tierschuztrechtlichen Gründen getötet werden sollte.

Forscher der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) suchen nach Sofortmaßnahmen zur Vermeidung länger anhaltender erheblicher Schmerzen und Leiden bei Schweinen. „Wir wollen mit unserer Studie direkt auf dem landwirtschaftlichen Betrieb ansetzen: Erkrankte Tiere sollten keine vermeidbaren Schmerzen erleiden müssen“, erklärt die Fachtierärztin für Schweine, Prof. Elisabeth große Beilage. Ihr Team will daher für Landwirte eine Entscheidungshilfe erarbeiten, die bei der Einschätzung des gesundheitlichen Zustands und der Prognose sowie bei der Beurteilung, ob erhebliche Schmerzen und Leiden vorliegen, helfen soll. „In der Praxis ist es für den Tierhalter oft nicht leicht zu beurteilen: Ist bei meinem erkrankten Tier ein weiterer Behandlungsversuch sinnvoll? Oder ist es tierschutzrechtlich geboten, das Tier von seinen Schmerzen zu erlösen und zu töten?“ Ziel des jetzt begonnenen Projekts ist es, Kriterien zu definieren, die dabei helfen, die Unausweichlichkeit einer Tötung festzustellen.

Kastration unter lokaler Anästhesie

In einem weiteren Projekt soll überprüft werden, ob und wie eine Kastration unter lokaler Anästhesie bei Saugferkeln durchgeführt werden kann.  „Das Vorhaben wird unter strengen wissenschaftlichen Kriterien und mit offenem Ergebnis durchgeführt“, betonen die zuständigen Forschungsleiter Prof. Karl-Heinz Waldmann und Prof. Sabine Kästner. Während dieser sogenannte „vierte Weg“ in einigen europäischen Nachbarländern aufgrund der dortigen Rechtslage zulässig ist, bestehen in Deutschland durch die strengen Vorgaben des Tierschutzgesetzes hohe fachliche Hürden für einen Einsatz. „Bisher fehlen belastbare wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, ob die Lokalanästhesie in der Lage ist, eine vollständige Schmerzausschaltung zu erreichen. Nach geltendem Tierschutzgesetz ist das aber eine grundlegende Voraussetzung für den Einsatz des Verfahrens“, so Prof. Waldmann.

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