Tierschutz

Verletztes Schwein- was tun?

Schweineohr_Läsion
Für kranke und verletzte Schweine muss in jedem Bestand eine Krankenbucht vorhanden sein.

Viel zu häufig werden bei amtlichen Kontrollen von Schweinehaltungen oder bei der Lebendbeschau am Schlachthof kranke oder verletzte Schweine vorgefunden. Wie diese Tiere tierschutzgerecht versorgt werden, erläutert ein frei verfügbarerer Artikel in "Der Praktische Tierarzt".

Der Tierhalter ist durch das Tierschutzrecht, insbesondere der Tierschutz-Nutztierverordnung, in der Pflicht, das Befinden der Schweine mindestens einmal (besser zweimal) täglich durch direkte Inaugenscheinnahme von einer für die Fütterung und Pflege verantwortlichen Person überprüfen zu lassen. In Haltungsbedingungen, in denen nicht jedem Schwein ein Fressplatz zur Verfügung steht, müssen die besondere Sorgfalt und Erfahrung vorhanden sein, auch in großen oder ruhenden Gruppen kranke und verletzte Tiere sicher zu erkennen.

Funktionsfähiges Krankenabteil jederzeit verfügbar halten

Für mindestens 3% des Bestandes sollten Krankenbuchten vorgehalten werden, hinzu kommen Buchten für gruppenunverträgliche Sauen. Wichtig ist, dass die Krankenabteile zwischenzeitlich nicht zweckentfremdet werden. Treib- oder Versorgungsgänge sind für die Unterbringung kranker oder verletzter Tiere keinesfalls geeignet. Entscheidend sind ein ungehinderter Zugang zu Futter und Wasser, eine weiche Unterlage/Einstreu, Wärmequellen bei Jungtieren und eine besondere Fürsorge für diese kranken Tiere.

Rechtzeitig die richtige Entscheidung treffen

Beim geringsten Zweifel über die Prognose für das Tier ist ein Tierarzt hinzuzuziehen, der ggf. eine medikamentöse Heilbehandlung einleitet und den Therapieerfolg kontrolliert. Nur für Tiere mit frischen Verletzungen, wie Knochenbrüchen oder Organvorfällen, kommt eine Schlachtung infrage. Aufgrund der meist nicht gegebenen Transportfähigkeit muss sie als Hausschlachtung oder "mobile Schlachtung" erfolgen. Jede Notschlachtung macht eine tierärztliche Bescheinigung nach EG-Verordnung Nr. 853/2004 erforderlich. Unverzüglich tierschutzgerecht zu betäuben und zu töten sind auch diejenigen kranken und verletzten Tiere, die nicht behandlungsfähig sind und deren Gesundheitszustand nicht wieder hergestellt werden kann. Die ausführende Person muss die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten besitzen, um eine Tötung durchzuführen und dazu physisch und psychisch in der Lage sein. Andernfalls muss der bestandsbetreuende Tierarzt mit einer Euthanasie beauftragt werden.

Fehlende geeignete Unterbringungsmöglichkeiten für kranke Tiere sind relevant für die Cross Compliance und auch hohe Tierzahlen im Bestand rechtfertigen nicht eine unzureichende Versorgung kranker oder verletzter Einzeltiere.

Zum frei verfügbaren (open access-) Originalartikel eines Amtstierarztes im Landkreis Cloppenburg gelangen Sie bei www.vetline.de:

Heinz-Walter Leßmann, Sabine Petermann: Tierschutzgerechter Umgang mit kranken und verletzten Schweinen

Vet-consult Magazin

Online-Kurse