Wird Ebergeruch vom Verbraucher akzeptiert?

Eber
Foto: Sus

Das Fleisch von Ebern, die nicht als Ferkel kastriert wurden, kann bei der Zubereitung einen unangenehmen Geruch und Geschmack entwickeln. Doch bereits seit mehreren Jahren steigen die Schlachtzahlen unkastrierter männlicher Schweine, ohne dass es von Seiten des Verbrauchers Beschwerden gibt. Marktexperten fürchten, dass sich dies mit zunehmendem Anteil von Ebern am Schweinefleisch ändern wird.

Ab 2019 wird die betäubungslose Kastration von Ferkeln in Deutschland verboten sein, die momentan noch bis zum siebten Lebenstag erlaubt ist. Alternativen wie Kastration unter Schmerzmitteln oder die Mast von Ebern statt Kastraten werden bereits erprobt: Von den fast 60 Mio im Jahr 2014 geschlachteten Schweinen waren bereits 3,5 Mio Eber, Tendenz seit 2011 steigend. Diese fünf Prozent haben noch für keinen Verbraucheraufschrei am Markt gesorgt.
Zusätzlich kündigten kürzlich große Einzelhandelsketten wie Aldi, Kaufland und Rewe unter Druck von Tierschutzorganisationen an, bereits 2017 das Fleisch von unbetäubt kastrierten Schweinen aus ihren Regalen zu verbannen.
Ebergeruch bildet sich erst ab einer Lebendmasse von ca. 80Kg und wird von bis zu einem Drittel der deutschen Bevölkerung nicht wahrgenommen, wobei es international große Unterschiede gibt; so wird der Geruch in England und Portugal wesentlich besser akzeptiert als in Deutschland oder Frankreich.

Akzeptanz des Geruchs
Prof. Dr. Ulrike Weiler vom Fachgebiet für Verhaltensphysiologie landwirtschaftlicher Nutztiere der Universität Hohenheim bemerkte auf dem Forum der Fleischwirtschaft im Juni, dass selbst mit optimierter Haltung, Fütterung und Management das Risiko für die Entstehung des Ebergeruches nicht gebannt sei: lange Warte- und Transportzeiten auf dem Weg zur Schlachtung könnten letzten Endes immer noch zu erhöhten Werten der Geruchsstoffe Androstenon und Skatol im Fett der Jungeber führen. Ihre Sorge gilt der Frage, ob die Kontrollmechanismen ausreichen, damit geruchsbelastetes Eberfleisch frühzeitig aussortiert wird. Auch wenn in den Niederlanden bereits jahrelang Eberfleisch akzeptiert werde, sei dies kein Grund, dass es in Deutschland genauso laufe: der holländische Verbraucher sei aufgeklärt über das Risiko – und eine größere Transparenz führe zu einer höheren Akzeptanz. Hier führte sie das Beispiel Spanien auf: dort kann an der Fleischtheke frei zwischen Kastraten- und Eberfleisch gewählt werden, sodass eindeutige Bedingungen am Markt herrschen.

Rolle des Verbrauchers
Darüber, ob in Zukunft Eber gemästet werden oder Ferkel unter Betäubung kastriert werden, wird am Ende nicht zuletzt die Akzeptanz des Geruchs entscheiden, denn wirtschaftliche und tierfreundlichere Alternativen zur betäubungslosen Kastration sind rar (siehe hierzu Interview mit Prof. Dr. Karl-Heinz Waldmann, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, Klinik für kleine Klauentiere).
Selbst bei der Ebermast stellt sich die Frage, ob das durch vermehrten Rangkampf und Geschlechtstrieb lebenslang höhere Stresslevel die tierschutzgerechtere Alternative zur Kastration ist. Hier könnte ein Blick zu unseren holländischen Nachbarn helfen: dort wird bereits trotz hoher Ferkelzahlen die Kastration unter CO2-Narkose durchgeführt, die bisher in Deutschland noch als zu kosten- und managementaufwändig gilt.


Quellen:

agrarheute
aid
Forum der Fleischwirtschaft

Dissertation: Haltung von Ebern unter herkömmlichen Mastbedingungen
Landwirtschaftliches Wochenblatt 25 / 2015





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