Forschung

Zitterferkelvirus in Sperma nachgewiesen

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Der Tremor der Zitterferkel kann so heftig sein, dass ein Saugen an den Zitzen unmöglich ist. Foto: Heil

Forscher der Wiener Veterinärmedizinischen Universität haben das atypische porzine Pestivirus (APPV) in erkrankten und äußerlich unauffälligen Tieren österreichischer Betriebe nachgewiesen. Sie vermuten eine sexuelle Übertragung des Virus.

Im vergangenen Jahr wurde das "Geheimnis der Dancing Piglets" gelüftet (vet-consult berichtete) und als Erreger des kongenitalen Tremors ein Pestivirus identifiziert. Dieses neu entdeckte Virus gehört zur Virus-Familie Flaviviridae, ist mit dem Virus der Klassischen Schweinepest (KSPV) aber nur sehr entfernt verwandt und wurde deshalb vorläufig als „Atypisches porzines Pestivirus“ (APPV) bezeichnet.

Die Wiener Forscher berichten, dass der Nachweis nun mit üblichen molekularbiologischen Methoden, wie der Polymerase-Kettenreaktion, möglich ist. Das Nachweisverfahren bestätigte aber nicht nur, dass das Virus in hoher Zahl in den erkrankten Ferkeln zu finden war. Dem Team war es ebenso möglich, den Erreger im Speichel und im Sperma von bereits geschlechtsreifen Schweinen nachzuweisen.

Sexuelle Übertragung möglich

„Vor allem der Nachweis in der Samenflüssigkeit eines geschlechtsreifen Ebers wirft ein völlig neues Licht auf die Ausbreitung des Erregers“, so Lukas Schwarz, Veterinärmediziner der Universitätsklinik für Schweine. „Das Virus scheint dauerhaft in manchen Tieren zu verbleiben, auch wenn das Tier keine Symptome mehr zeigt. Da wir den Erreger selbst im Sperma eines ehemaligen Zitterferkels nachweisen konnten, ist die Möglichkeit einer sexuellen Übertragung durchaus gegeben.“

Übertragen wird das Virus auf die Ferkel während der Trächtigkeit wahrscheinlich in einer Phase, in welcher die Entwicklung des zentralnervalen Systems stattfindet. Darauf lassen auch eindeutige Veränderungen der Nervenfasern schließen. Antikörper gegen das Virus kommen zwar im Muttertier vor, jedoch werden diese aufgrund der anatomischen Beschaffenheit der Gebärmutter nicht auf die Föten übertragen. Eine Infektion bei älteren Tieren verläuft höchstwahrscheinlich symptomlos.

Angeborenes Zittern kann lebensbedrohlich sein

Das angeborene Zittern erschwert den Ferkeln abhängig von der Stärke des „Zitterns“ von der ersten Minute an das Leben. Der Tremor kann so heftig sein, dass sie nicht an den Zitzen der Muttersau saugen können. Gerade die Versorgung mit der Muttermilch ist jedoch in den ersten 24 Stunden überlebenswichtig. Nur damit erhalten die Tiere alles Notwendige, damit sie überleben können. 
Bei Ferkeln, die diese erste Phase überleben, gehen die Symptome nach den ersten drei bis vier Wochen zurück. Nur in seltenen Fällen bleibt den Tieren ein leichtes Zittern der Ohren. Damit es soweit kommt, bedarf es aber eines hohen Aufwands an Aufmerksamkeit und Pflege durch die SchweinezüchterInnen und TierärztInnen.

Originalartikel: „Congenital infection with atypical porcine pestivirus (APPV) is associated with disease and viral persistence“ von Schwarz L., Riedel C., Högler S., Sinn LJ., Voglmayr T., Wöchtl B., Dinhopl N., Rebel-Bauder B., Weissenböck H., Ladinig A., Rümenapf T. und Lamp B. wurde im Journal Veterinary Research publiziert.

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