ADSA Konferenz 2020

Den Fruchtbarkeits-Killern auf der Spur

Eine gesunde Kuh sollte spätestens am 35. Tag nach dem Kalben eine Brunst gezeigt haben. Woran liegt es, wenn Kühe keine Brunst zeigen? Das wurde kürzlich in Florida (USA) diskutiert.

Im Durchschnitt verliert jede zehnte Jungkuh ihre Trächtigkeit. Besonders  betroffen sind Tiere, die häufiger besamt werden müssen (≥3-mal). Aber auch die Jahreszeit scheint einen Einfluss zu haben: Färsen, die im Sommer (während der heißen Monate) belegt wurden, zeigten mehr Abgänge im Vergleich zu den Tieren, die im Spätherbst tragend wurden. Keinen Einfluss scheint indes die Milchleistung während der ersten 100 Tage auszuüben, so das Fazit  des Teams von Repro-Experten der Colorado State Universität, die sich auf die Suche nach Faktoren begeben haben, die Frühaborte bei Jungkühen begünstigen.
Die Wissenschaftler haben die Daten von 5.176 erstlaktierenden Kühen aus einer großen Milchfarm analysiert. Die Kühe wurden in einem Stall mit Tunnellüftung gehalten und drei Mal täglich gemolken. Ab dem 80. Laktationstag wurde der Zyklus der Kühe synchronisiert (Doppel-OvSynch). Am 33. und nochmals am 52. Tag nach der Belegung wurden die Tiere per Ultraschall auf eine Trächtigkeit untersucht. Bei allen Kühen, die nach der ersten Untersuchung, aber nicht mehr nach der zweiten Kontrolle trächtig waren, unterstellten sie einen Frühabort.

Traubenzucker hilft bei Gebärmutterentzündung

Viele Kühe leiden nach dem Abkalben an einer Entzündung des Gebärtraktes. In akuten Fällen wird meist mit Antibiotika behandelt. Deren Einsatz gerät zunehmend in die Kritik, ein verantwortungsvollerer Umgang wird gefordert. An der Penn State Universität wird intensiv an Behandlungsalternativen geforscht. Als solche wird immer wieder Dextrose (Traubenzucker) genannt. In einer Studie wurden kürzlich 351 Milchkühe nach dem Abkalben „gescreent“ (mithilfe des Metrichecks wurde Scheidenschleim entnommen). Bei Verdacht auf eine Metritis (Entzündung der Gebärmutterwand) wurde den Kühe entweder ein Antibiotikum (27 Tiere; Ceftiofur; 6,6 mg/kg) verabreicht oder aber sie wurden mit einer 50%igen Traubenzuckerlösung gespült (26 Tiere; 3x 1l über 24Stunden). Nach 14 und nochmals nach 21 Tagen wurden die Kühe erneut untersucht, nach 60 Tagen zogen die Forscher Bilanz:
Die Heilungsrate fiel zu allen drei Zeitpunkten in etwa gleich aus. Auch wurden keine Unterschiede bei den sonstigen Krankheitsereignissen oder den Abgängen gefunden. Allerdings benötigten die mit Traubenzucker behandelten Kühe etwas mehr Zeit (+7,3 Tage), bis sie wieder trächtig wurden, da sich weniger Trächtigkeiten direkt nach der ersten Besamung einstellten. Auch gaben die Traubenzucker-Kühe etwas weniger Milch.
Fazit: Eine Gebärmutterentzündung lässt sich auch ohne Antibiotika kurieren, allerdings scheint diese Art der Therapie die Kühe etwas mehr zu „schlauchen“.

Typische Brunstkiller

An der kanadischen Universität Guelph wurde untersucht, welchen Einfluss die Tiergesundheit nach dem Abkalben auf das Brunstverhalten hat. Eingeflossen in die Auswertung sind der BCS sowie diverse Bluwerte (Kalzium, Haptoglobin, NEFA) von 454 Kühen aus zwei Milchfarmen. Zudem wurden die Kühe auf das Vorliegen einer subklinischen Metritis hin untersucht. In beiden Milchfarmen kamen sensorgesteuerte Brunsterkennungssysteme zum Einsatz. Ergebnisse:
  • 60% der Kühe erkrankten in der Frühlaktation an subklinischem Milchfieber, 25% an Ketose, 24% an einer subklinischen Metritis, bei 14% wurde eine Mastitis diagnostiziert.
  • Von den Kühen mit eitrigem Ausfluss oder mit einer Metritis zeigten nur 46% eine Brunst (66% der gesunden Tiere).  Ebenfalls weniger Brunsten stellten sich bei einem hohen Haptoglobin-Wert an Tag 2 bis 6 (43 vs. 64%) ein und bei einem BCS <2,75 (50% vs. 62% bei BCS >3,0).
  • Von den Kühen, bei denen alle drei Risikofaktoren zutrafen, kamen 56% in Brunst (72% Tiere ohne Vorerkrankung). Von den Kühen mit eitrigem Ausfluss oder mit einer Metritis zeigten nur 46 % eine Brunst (66 % der gesunden Tiere).

Einfluss von Erkrankungen auf die Brunst von Kühen

Quelle: Bruinjé et al., 2020
Den kompletten Kongressbericht finden Sie in Elite 5/2020 ab Seite 32.

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Tragen Sie sich jetzt ein und wir senden Ihnen automatisch weitere Artikel zu