eLearning zum Milchfieber

Kalziummangel vorbeugen: So geht`s!

12 bis 24 Stunden nach der Geburt ist die Kalziumkonzentration im Blut am geringsten. Denn wenn die Kuh nach der Trockenstehzeit wieder Milch produziert, steigt ihr Kalziumbedarf enorm an.

In der letzten Trächtigkeitsphase benötigt die Kuh nur 30 bis 35 g Kalzium am Tag. Gibt die Kuh nach der Kalbung ein Erstgemelk mit 10 Litern Kolostrum, scheidet sie bereits 20 g Kolostrum über die Milch aus (2 g Kalzium pro Liter Kolostrum, 1 g Kalzium pro Liter Milch). Dazu muss vermehrt Kalzium aus den Knochen freigesetzt und mehr über den Darm aufgenommen werden.
Das Risiko für Hypocalcämie steigt mit dem Alter der Kuh und ist abhängig von der Milchleistung sowie Fütterung während der Trockenstehzeit. Ein hoher Anteil an Kalzium, Phosphat oder Kalium und eine unzureichende Magnesiumversorgung in der Ration sorgen für häufige Milchfieber-Erkrankungen in der Herde. Ein Kalziummangel erhöht zudem das Risiko für Labmagenverlagerungen, Ketose, Metritis, Mastitis und steigert das Merzungsrisiko in der Frühlaktation, weil die Funktionalität der Skelettmuskulatur und der glatten Muskulatur beeinträchtigt ist.

Was kostet Hypocalcämie?

Bei Kühen mit Milchfieber ist
  • der Erstbesamungserfolg um 44% reduziert .
  • die Chance um 32% vermindert, innerhalb der ersten 150 Tage tragend zu werden.
  • das Risiko um 69% erhöht, bis zum 60. Laktationstag gemerzt zu werden.
Milchfieberkühe geben 2,2 kg weniger Milch in den ersten drei Milchleistungsprüfungen (Venjakob et al., 2019). Die subklinische Hypocalcämie (Blutkalziumwerte < 2 mmol/l) ist auf Betriebsebene kostspieliger als die klinische Form. Denn wenn in einer Herde mit 500 Tieren die klinische Milchfieberrate bei 2% liegt und dabei Kosten von 265€ pro Fall für Therapie, Leistungsabfall und vorzeitigen Abgang aus der Herde entstehen, so würden über ein Jahr 2.650 € an Kosten entstehen. Tritt dagegen der subklinische Kalziummangel in einer Herde mit einer Häufigkeit von 40 % auf, und jeder Fall kostet den Landwirt 110 € (Milchausfall, Folgeerkrankungen), so lägen die Kosten in einem Jahr bei 22.000 €.

Vorbeugende Maßnahmen

Grundsätzlich bieten sich vier Strategien zur Milchfieberprophylaxe an:
  • Kalziumarme Fütterung in der Trockenstehphase, z.B. Kalziumbinder einsetzen.
  • Vitamin D3 vor der Geburt injizieren.
  • Orale Kalziumeingabe vor/zu/nach der Geburt, z.B. durch Boli, Gele, Drenchlösungen.
  • Saure Salze in der Trockensteherration füttern (unbedingt den Harn-pH-Wert der Tiere und den DCAB-Wert der Ration kontrollieren).
Im neuen Elite-eLearning „Update Kalziummangel“ erklärt Dr. Venjakob, Freie Universität Berlin, die Ursachen sowie den aktuellen wissenschaftlichen Forschungsstand zur Hypocalcämie und ordnet die Prophylaxemöglichkeiten ein.

Kalzium zur Vorbeugung nicht subkutan oder intravenös eingeben!

Kalziumhaltige Lösungen sollten nur zur Behandlung einer klinisch erkrankten, festliegenden Kuh unter die Haut oder in die Vene injiziert werden. Nicht zur Vorbeugung! Denn die Kalziumkonzentration im Blut steigt sofort für vier bis sechs Stunden auf ein Vielfaches des normalen Wertes von 2,0 bis 2,5 mmol/l an. Nachdem die Wirkung des subkutan oder intravenös verabreichten Kalziums abklingt, fällt der Kalziumspiegel im Blut häufig weiter ab als bei unbehandelten Kühen. Das Kalziumgleichgewicht ist gestört. Denn zuerst war das Kalzium im Mangel, nach der Infusion im Überschuss im Blut vorhanden.

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