Praxismanagement

Mittwoch ist Schnitzeltag

Moderne Nutztierpraxen tun viel, um Mitarbeiter zu finden, sie gut auszubilden und zu halten. Denn die Qualität der Arbeit steht und fällt mit dem Engagement der Mitarbeiter.

Tierarzt Mattias Tepferd hat die Praxis vor wenigen Jahren übernommen und arbeitet mit einem jungen Team. Mittags trifft sich eine Gruppe aus Tierärzten und Fachangestellten  zum Essen. Keiner muss zu Hause kochen oder Brötchen im Auto essen. Das bringt Freiraum für fachliche Gespräche und Privates. Das Essen bezahlt die Praxis. Das tut nicht nur gut, sondern ist ein Weg, seinen Angestellten Wertschätzung entgegenzubringen. Während der Corona-Pandemie wird der Schnitzeltag zwar ausgesetzt, aber sobald sich die Lage entspannt, geht es wieder los. 
Andere Kollegen in ähnlicher Situation klagen, dass neue Assistenten höchstens zwei Jahren bleiben: „Entweder werden junge Kolleginnen schwanger oder wechseln in eine anderen Praxis. Was machen wir nur falsch?“, fragt sich ein junger Praxisinhaber.
Gute tierärztliche Praxis erfordert gute Mitarbeiter, und die zu finden wird immer schwieriger. Viele Assistentenstellen bleiben unbesetzt. Die Rekrutierung neuer Mitarbeiter ist das eine. Auf der anderen Seite geht es aber auch darum, Tierärzte an die Praxis zu binden, um sich am Markt zu positionieren. Eine hohe Fluktuation bedeutet immer zusätzlichen Aufwand und Kosten, bringt Unruhe und Unsicherheit. Mitarbeiter so zu integrieren, dass sie sich mit der Praxis identifizieren, scheint schwer.
Internationale Untersuchungen zeigen, dass 70 % der Arbeitnehmer sich wenig verbunden mit ihrem Arbeitgeber fühlen. Dafür gibt es zahlreiche Gründe: Mitarbeiter wissen nicht, was von ihnen erwartet wird oder Vorgesetzte interessieren sich nicht für sie als Mensch. Ihre Meinungen und Ansichten haben kaum Gewicht. Sie vermissen Wertschätzung. Das führt zu Dienst nach Vorschrift und unmotiviertem Verhalten. Schlimmstenfalls zur Kündigung.

Attraktivität als Arbeitgeber

Was können Tierarztpraxen tun, um neue Mitarbeiter zu gewinnen und gute Leute zu halten? Die Voraussetzung ist natürlich eine angemessene (leistungsbezogene) Bezahlung. Auch das Image und der Ruf der Praxis spielen eine große Rolle.
Mitarbeiter wünschen sich einen freundlichen und respektvollen Umgang miteinander und ein positives Betriebsklima. Das gute Verhältnis zu den Kollegen ist ihnen wichtig. Das erfordert Vorgesetzte, die neben der fachlichen eine hohe soziale Kompetenz besitzen. Mitarbeiterführung funktioniert nicht mal eben nebenbei. Das Thema „Menschen führen“ bekommt eine zunehmend hohe Bedeutung im Arbeitsalltag. Arbeitnehmer wollen gefordert, aber nicht überfordert werden. Häufig wird der Druck, der von außen auf der Praxis lastet, ungefiltert an die Mitarbeiter weitergeleitet. Sorgen Sie für Transparenz. Informieren Sie Ihre Mitarbeiter zeitnah und umfassend über Ziele, Veränderungen und eventuelle Schwierigkeiten. Aber auch positive Nachrichten und Erfolge sollten im Team kommuniziert und gewürdigt werden. Wer neu in der Praxis ist, sollte gleichwertig mit anderen Tierärzten ausgerüstet und sorgfältig eingearbeitet werden.

Gute Ausrüstung und Ausbildung

Der Arbeitsplatz/Praxisauto und die zur Verfügung gestellten Geräte (Ultraschallgerät, Endoskop) müssen ein effizientes Arbeiten ermöglichen. Arbeit soll Freude machen! Sorgen Sie dafür, dass Mitarbeiter ihre Fähigkeiten und Stärken einsetzen können und wissen, was von ihnen erwartet wird.
Gut durchdachte und gemeinsam entwickelte Stellenprofile unterstützen dabei. Beziehen Sie Ihre Mitarbeiter so weit wie möglich in Entscheidungsprozesse mit ein. Das fördert eigenverantwortliches Handeln. Vorgesetzte sollten Ziele und Interessen der ­Mitarbeiter unterstützen. Das bedeutet auch, durch entsprechende Weiterbildungsmaßnahmen (Zusatzbezeichnungen, Fachtierarzt für Rinder) individuelle Entwicklung zu forcieren. Bei Problemen und Schwierigkeiten sind Führungskräfte als Ansprechpartner gefordert.

Flexibilität gefordert

Die Anforderungen der jungen Tierärzte an den Arbeitsplatz haben sich verändert. Viele wünschen sich eine höhere Flexibilität der Arbeitgeber, um dem Anspruch einer Ausgeglichenheit ihrer Work-Life-­Balance Sorge zu tragen. Familienfreundliche Rahmenbedingungen und flexible Arbeitszeitmodelle (Arbeitszeitkonten, freie Nachmittage) werden zunehmend zum Auswahlkriterium, wenn es um einen neuen Arbeitsplatz geht.  Um auch zukünftig ein attraktiver Arbeitgeber zu sein, sollten Sie wissen, wofür Sie und Ihre Praxis stehen (Unternehmenskultur).
Mitarbeiter kommen und bleiben nur dann gerne, wenn sie ihren Fähigkeiten entsprechend gefordert und gefördert werden. Sie möchten als Mensch gesehen und ernst genommen werden, dann sind sie bereit, sich für ihre Praxis zu engagieren.

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