Digitalisierung

Telemedizin – der Weg in die Zukunft 

Telemedizin  ist der digitale Kontakt zum Tierhalter.  Wir haben Björn Becker gefragt, wie man sich das in der Praxis vorstellen  kann? 

vet-consult: Sind wir Tierärzte bei der Digitalisierung zu langsam? 
Tierarzt Becker : Absolut. Aber es sind nicht nur wir Tierärzte. Die gesamte Digitalisierung in Wirtschaft und Bildung hinkt der Entwicklung hinterher. Wir haben zwar in digitale Technologien (v. a. Diagnostik) investiert, nicht aber in Marketing und Außenwirkung. Auch trennen wir uns nur ungern von gewohnten Arbeitsweisen und Abläufen.
Was versteht man unter dem Begriff Telemedizin?
„Telemedizin ist der Gebrauch digitaler Tools zur Unterstützung der medizinischen Versorgung, wenn die Teilnehmer räumlich getrennt sind“, soweit die Definition. Wir Tierärzte arbeiten schon lange mit Telemedizin, ohne es bewusst zu merken: Die Beratung am Telefon und die Kommunikation via E-Mail oder Messenger gehören auch dazu. In meiner Praxis biete ich auch Online-Sprechstunden an und nutze Telemedizin sehr gern zur Besprechung von Befunden, wie z. B. Röntgen- oder Blutbildern, die an einem eigens dafür eingerichteten Arbeitsplatz gemeinsam über das Smartphone angesehen werden können. Auch in der Nachsorge von Operationen setze ich Videotools ein, um unnötige Fahrten zu verhindern.
Ist Telemedizin mit unserer Berufsordnung vereinbar?
Ja. Wenn man die nötige tierärztliche Sorgfalt und die Regeln der tierärztlichen Kunst befolgt, dokumentiert und einhält, und sich ­bewusst ist, wo Telemedizin an seine Grenzen stößt. Dann ist diese Dienstleistung selbstverständlich mit der Berufsordnung vereinbar. Wichtig ist auch das Beachten weiterer Gesetze, wie z. B. die TÄHAV und das AMG. Eine korrekte Aufklärung des Besitzers und eine ­Abrechnung nach Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) gehört natürlich dazu.
Welche Möglichkeiten gibt es, ­digitale Dienste abzurechnen?
In der GOT gibt es die Positionen 10 (Beratung im Einzelfall ohne Untersuchung) und 11 (Eingehende Anamnese oder Beratung), die derzeit als Anhaltspunkt für die Ab­rechnung der digitalen Dienstleistung genutzt werden soll, so lange noch keine explizite andere Formulierung oder Ergänzung in die GOT eingepflegt wurde. Wichtig ist, das diese erbrachte tierärztliche Leistung abgerechnet wird. Denn es ist eine „normale“ tierärztliche Leistung, die einer physischen Beratung in der Praxis oder im Stall gleichzustellen ist.

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