Perspektiven

Zukunftskonzept Landtierärzte

Bayerischer Umweltminister Glauber plant Niederlassungsprämien und einen neuen Master-Studiengang, um Tierärzte in Bayern auf‘s Land zu locken.

Viel Auto fahren, regelmäßige Notdienste und eine vergleichsweise schlechte Bezahlung: Der Beruf des Landtierarztes ist wenig attraktiv. Das führte zu einem deutlichen Rückgang der praktizierenden Tierärzte. 2014 wurden noch etwa 1200 Tierärzte gezählt, aktuell sind es 820. Weitere Praxisaufgaben sind programmiert, weil viele Praxisinhaber sind kurz vor dem Ruhestand und ohne Nachfolger sind.
Um den Rückgang zu stoppen, hat Umweltminister Thorsten Glauber  jetzt das "Zukunftskonzept Landtierärzte" gestartet. Es soll die flächendeckende Versorgung mit Landtierärzten garantieren. "Für den bestmöglichen Tierschutz in der Landwirtschaft brauchen wir nicht nur engagierte Bauern und effiziente Kontrollen", sagt Glauber, der als Umweltminister auch für Veterinärmedizin in Bayern zuständig ist. "Sondern eben auch eine gute Versorgung mit Landtierärzten."

Konzept umfasst fünf Punkte 

1.     Eine groß angelegte Bedarfsanalyse, die an die Ludwig-Maximilians-Universität in München vergeben worden ist.
2.    Analog zur Landarztquote in der humanmedizinischen Ausbildung prüft Glauber die Einführung einer Landtierarztquote. Das heißt, dass eine bestimmte Zahl der Tiermedizin-Studienplätze für Studenten reserviert werden, die sich verpflichten, nach dem Studium eine bestimmte Zeit auf dem Land zu arbeiten.
3.    Und es soll Niederlassungsprämien geben und bessere Bezahlungen. Letzteres ist freilich Sache des Bundes. Bayern will aber bei der aktuellen Überarbeitung der tierärztlichen Gebührenordnung (GOT) dort seinen Einfluss geltend machen, dass die Honorare spürbar angehoben werden.
4.    Glauber plant aber auch Fortbildungen für niedergelassene Landtierärzte. Seine Begründung: "Mehr Wissen heißt mehr Tierschutz." Das ist durchaus vor dem Hintergrund der großen Tierschutzskandale im Allgäu zu sehen. Tierrechtsaktivisten deckten dort von Juli 2019 an massive Verstöße auf insgesamt fünf großen Milchkuhbetrieben auf.
5.    Nach Glaubers Überzeugung kommt den Landtierärzten eine Schlüsselrolle beim Tierschutz in der Landwirtschaft zu. Damit sie diese ausfüllen können, will er den neuen Masterstudiengang "Tiergesundheitsmanagement" einrichten. In dessen Zentrum steht das Wohlergehen der Nutztiere. Der Aufbaustudiengang richtet sich an approbierte Tierärzte und soll interdisziplinär angelegt werden. Wenn alles klappt, läuft er schon 2021 an. Außerdem richtet Glauber ein Spezialisten-Netzwerk ein, das Tierärzte in ihrer Alltagsarbeit unterstützen und fortbilden soll - durch Schulungen ebenso wie durch Fachvorträge.
Von den Tierärzten kommt positive Resonanz.
Die Initiative ist absolut sinnvoll und überfällig.
sagt Dr. Siegfried Moder
Er ist seit 36 Jahren Landtierarzt im oberbayerischen Steingaden und Präsident des Bundesverbands praktizierender Tierärzte. Auch der Geschäftsführer der bayerischen Landestierärztekammer, Axel Stoltenhoff, lobt den Vorstoß. Ihm geht es vor allem um den Tierarzt-Nachwuchs. "Der Mangel ist inzwischen so groß, dass bei uns auch Kollegen aus Syrien, Russland und sogar Brasilien arbeiten", sagt er. "Wenn das flächendeckende Landtierarzt-System Bestand haben soll, muss dringend etwas passieren." Der Bauernverband begrüßt die Initiative laut Verbands-Generalsekretär Georg Wimmer ebenfalls als "dringend nötig".
Quelle: C. Sebald, Süddeutsche

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Tragen Sie sich jetzt ein und wir senden Ihnen automatisch weitere Artikel zu