Burnout

Arbeiten bis der Tierarzt kommt

Das Risiko, an Burnout zu erkranken, betrifft nicht mehr nur Tierärzte auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, sondern beginnt schon bei den Berufsanfängern.

Marc  Dilly

Redakteur

Viernheim

Das Thema Burnout ist bei zunehmender intensiver Arbeit und steigender Beanspruchung vieler Menschen ein Teil des Berufsalltags geworden. Auch Tierärztinnen und Tierärzten stehen unter erheblichem beruflichen Druck. Unter einem Burnout wird ein Zustand der physischen und mentalen Erschöpfung verstanden, aus diesem Grund wird es auch als Erschöpfungssyndrom bezeichnet. Ein Burnout entsteht dann, wenn durch chronischen Stress die Balance zwischen Belastungen und Ressourcen zu sehr und zu lange auf Kosten der Selbstfürsorge und Lebensqualität verloren geht. Eine andauernde Arbeitsüberforderung führt zunächst zu einer Abnahme der beruflichen Leistungsfähigkeit, einhergehend mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit, einen Kunstfehler zu begehen.

Stress von Anfang an

Ergebnisse einer Online-Umfrage zum Thema „Stress im Tierarztberuf als Gesundheitsrisiko“ zeigte, dass 42 % der Befragten signifikant erhöhten beruflichen Belastungen ausgesetzt sind. Die Veränderungen im privaten und beruflichen Umfeld sind vor allem mit dem Eintritt in das Berufsleben vielschichtig.
Eine Studie aus den Niederlanden stellt u. a. das Spannungsfeld von beruflichen Erwartungen, Beanspruchungen und individueller Belastbarkeit bei Tierärztinnen und Tierärzten dar. Hierbei zeigte sich, dass lange Arbeitszeiten, Gleichgewicht zwischen Arbeitund Privatleben, professionelle Unterstützung und die Erwartungen von Patientenbesitzern in engem Zusammenhang mit dem psychologischen Wohlergehen der jungen Tierärzte stehen.

Wo die Depression anfängt

In diesem Zusammenhang sollte zwischen Depression und einem Burnout unterschieden werden. Depressionen sind geprägt von Gefühlen der Traurigkeit, des Verlustes des Interesses am täglichen Leben und der Hoffnungslosigkeit. Diese Gefühle können alle Bereichen des Lebens, einschließlich der Arbeit und Familie, durchdringen. Wenn diese Symptome länger als ein paar Tage erlebt werden, sollte man einen Arzt konsultieren und den Rat eines Psychotherapeuten einholen.
Burnout hingegen steht in direktem Zusammenhang mit den individuellen beruflichen Verpflichtungen bzw. Ihrer Karriere. Die Symptome können sich ähnlich wie Depressionen anfühlen, aber es gibt häufig einen Unterschied. Zeichen von Burnout können an Wochenenden oder in den Ferien abnehmen. Die Symptome eines Burnouts können in verschiedenen Phasen beobachtet werden (Übersicht 1). Bei manchen Menschen können jedoch schwerere Symptome auftreten, und ein Burnout, welches unkontrolliert und unbehandelt bleibt, kann sich in eine Depression verwandeln.
Als Risikofaktoren, an einem Burnout zu erkranken, gelten vor allem Zeitdruck, lange Arbeitszeiten, Konflikte mit Kollegen oder im Privaten, mangelndes (positives) Feedback, hohe Erwartungen sowie Ängstlichkeit. Darüber hinaus haben Frauen meist ein höheres Burnout-Risiko als Männer.

Burnout keine Chance geben

Kleine Dinge können helfen, den Stress zu reduzieren bzw. zu adaptieren. Hierzu gehört in erster Linie, mehr auf sich selbst zu achten und die eigene Zufriedenheit zu erhöhen.
  • Grenzen setzen, die Ihre Freizeit und Ihre persönliche Zeit schützen. Schalten Sie Handys (Social Media, WhatsApp etc.), PC und Fernseher aus. Vermeiden Sie Orte, an denen Sie sich beruflich bedingt aufhalten müssen.
  • Nehmen Sie Urlaub, wenn Sie mittelschwere bis schwere Symptome haben. Idealerweise mindestens 14 Tage am Stück. Kurze Unterbrechungen von der Arbeit können auf lange Sicht Ihrer Karriere zugutekommen.
  • Auf genug Schlaf achten! Viele Symptome werden durch Schlafmangel (< 5 bis 6 Stunden) verschlimmert. Sprechen Sie über Belastungen und Stress mit Kollegen, vielleicht haben diese einen Rat.
  • Darüber hinaus helfen kleine Schritte, sich um sich selbst zu kümmern, Ihre Symptome zu lindern und Ihre Gefühle von Selbstwert, Glück und Zufriedenheit zu erhöhen. Hierzu zählt alles, was Ihnen Freude bereitet, egal wie simpel und kurz es auch erscheint. Das kann eine heiße Dusche nach der Arbeit sein oder die Lieblingsliedern im Auto zu hören.
  • Stresssituationen und Symptome eines Burnouts sind für viele Menschen eine Herausforderung. Stellen Sie sich direkt auf Ihre Symptome ein und schaffen Sie Grenzen, die Ihrem Wohlbefinden Priorität einräumen. Die Quintessenz: Du kannst nur für andere so gut sein wie für dich selbst!
  • Abschalten kann man z. B. beim Essen mit Freunden oder beim langen (Hunde-) Spaziergang. Suchen Sie Kontakt zu Familie und Freunden, die Ihnen gut tun und möglichst nicht aus Ihrem Arbeitsumfeld stammen – entscheidend ist es, diese Zeit und Momente bewusst für sich zu erleben, um neue Kraft für den Alltag zu generieren.
  • Jegliche Form der Meditation, z. B. mit einer Meditation- und Achtsamkeits-App.

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Tragen Sie sich jetzt ein und wir senden Ihnen automatisch weitere Artikel zu