Corona-Tests im Veterinärlabor

Im Labor der AniCon GmbH in Emstek geht es vorrangig um Impfstoffe und die Diagnostik für Tiermediziner. Seit sechs Wochen wird nun auch auf Corona getestet. Geschäftsführer Dr. Klaus-Peter Behr erzählt, wie es dazu gekommen ist.

Veterinärlabore sind auf große Probemengen eingestellt. Bei AniCon in Emstek werden seit einigen Wochen  auch Menschen auf SARS-CoV-2 getestet. Das Labor führt die gesamte Krankheitsdiagnostik für Tierärzte durch. Ein Schwerpunkt ist die Herstellung von bestandsspezifischen Impfstoffen. Alleine 35 Mitarbeiter beschäftigen sich aber auch mit der mikrobiologischen und chemischen Untersuchung von Lebens- und Futtermitteln.
So gehören zu den Kunden der AniCon GmbH auch Gemüsebauern, Schlachtereien und Zerlegebetriebe. „Als sich abzeichnete, dass Betriebe Personalprobleme bekommen, die Mitarbeiter aber nicht die offiziellen Kriterien für einen Corona-Test erfüllten, hat sich bei uns etwas entwickelt. Auch Krankenhäuser und Gesundheitsämter haben sich bei uns gemeldet, weil sie in dringenden Fällen zu lange auf das Ergebnis warten müssen“, erklärt Behr. Täglich können im Labor bis zu 200 Corona-Tests durchgeführt werden. Wenn andere Prozesse hintenan gestellt würden, könnten die Anzahl der Tests auf 1000 pro Tag erhöht werden.
Die Humanmedizin war auf diese Probenmengen nicht vorbereitet.“
Dr. Klaus-Peter Behr
Immer wieder gibt es Diskussionen um einen Materialmangel, aufgrund dessen nicht genügend Corona-Tests durchgeführt werden können. „Wir selbst hatten zu keiner Zeit einen Materialnotstand“ weiß Behr. Schließlich führen Tierärzte oft vor Antibiotika-Anwendungen einen Resistenztest durch. Dagegen werde im Humanbereich nach wie vor bei einfachen Infekten ohne Infektionsdiagnostik drauf los behandelt. Wenn Tierärzte das bei Nutztieren tun, dann sei das strafbar. „Die Humanmedizin war auf diese Probenmengen nicht vorbereitet, weil sie in Friedenszeiten wenig Infektionsdiagnostik betreibt, das ist für mich ein Skandal!“
Quelle:  Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben 18/2020

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