Praxismanagement

Ermutigung - Sauerstoff für die Seele

Ein Mentor hilft Berufsanfängern, schneller Erfolge zu erreichen und erhöht die Bindung an die Praxis.   

Mentorenprogramme sind in den USA weit verbreitet. Sie sollen Anfangsassistenten helfen, die Einarbeitungszeit zu verkürzen und möglichst schnell vielseitig einsetzbar zu sein. Fragt man die Tierärztegeneration Millennium, die kurz nach der Jahrtausendwende geboren wurden, dann wünschen diese sich für den Berufseinstieg vor allem Unterstützung und Feedback bei der Einarbeitung - viel mehr als die Generationen davor. Hochschulabsolventen in Nordamerika fragen in Bewerbungsgesprächen i.d.R. erst nach den Arbeitsbedingungen, dann nach dem Gehalt und immer häufiger auch nach einem Mentor. Denn sie wissen, mit Mentor lernt man mehr und kommt schneller voran. Führungskräfte in den USA machen sich sogar Sorgen, wenn mehr als die Hälfte der Angestellten keinen Mentor hat. Denn sie wissen, dass Neulinge, die von Anfang an gefördert werden, mehr lernen, zufriedener sind und dem Betrieb länger erhalten bleiben.

Investition in die Zukunft

Ein Mentor ist ein/e berufserfahrener Tierarzt/-ärztin mit einem gewachsenen Netzwerk von Kollegen und Kontakten. Der Erfahrene kann dem Mentee praktische Handgriffe für den Tierärztealltag geben, indem sie z.B. ab und zu zusammen auf die Betriebe fahren und Tiere behandeln. In regelmäßigen Treffen und Gesprächen kann der Mentee Fragen stellen und um Rat fragen. Die Beziehung zwischen Mentor und Mentee ist langfristig angelegt und basiert auf Vertrauen.
In vielen US-Firmen und einigen Tierarztpraxen gehört ein professionell organisiertes Mentorenprogramm zum Angebot für die Mitarbeiter. In den meisten Tierarztpraxen in Deutschland gibt es eine bestimmte Form der fachlichen Einarbeitung, aber ein fest organisiertes Mentorenprogramm, mit dem Ziel sich individuelle um den Berufseinsteiger zu kümmern ist eher selten. Dabei könnt das vielleicht dabei helfen, dass Mitarbeiterinnen langfristig mit der Praxis verbunden bleiben. Das führt zu einer deutlich erhöhten Bleiberate im Job. Einer Studie zur Folge sind nach fünf Jahren noch 71% der Tierärzte mit Mentor und 49% der Tierärzte ohne Mentor an ihrem Arbeitsplatz.
Tierärzte mit Mentor machen weniger Fehler, haben mehr Spaß bei der Arbeit und bleiben länger an einem Arbeitsplatz
Tierarzt Eric Rocker
Ein Mentor muss sich Zeit nehmen und sich auf das langsamere Tempo des jungen Tierarztes einstellen. Aber auch der Mentee muss regelmäßig mit Fragen auf den Mentor zukommen. Nur wenn beide sich der Sache verpflichtet fühlen, kann eine starke, wertvolle Beziehung entstehen. Ein Mentorenprogramm ist also eine nachhaltige, langfristige Investition in die Zukunft. Wer in jungen Jahren von einem Mentor profitiert hat, wird später selbst Mentor (89%).

So wird man Mentor

Jede Tierarztpraxis, sei sie noch so klein, kann ein Mentorenprogramm einführen. Doch wie etabliert man ein professionelles Mentorenprogramm in der Tierarztpraxis?
  • An erster Stelle sollte sich der potenzielle Mentor einen kritischen Blick auf sich selbst werfen, denn er/sie braucht neben Berufserfahrung auch Führungsqualitäten, Coaching- und Motivationsfähigkeiten. Fehlt dem Mentor noch die eine oder andere Fähigkeit, kann das ggfs. Thema einer eigenen Weiterbildung sein, bevor er/sie sich als Mentor anbietet.
  • An erster Stelle sollte sich der potenzielle Mentor einen kritischen Blick auf sich selbst werfen, denn er/sie braucht neben Berufserfahrung auch Führungsqualitäten, Coaching- und Motivationsfähigkeiten. Fehlt dem Mentor noch die eine oder andere Fähigkeit, kann das ggfs. Thema einer eigenen Weiterbildung sein, bevor er/sie sich als Mentor anbietet.
  • Hat sich ein Mentor-Mentee-Tandem erst einmal gefunden, sollten direkt regelmäßige Termine verabredet werden, an denen zusammengearbeitet oder gesprochen wird. Für die langfristige Fortführung der regelmäßigen Treffen sind beide gleichermaßen verantwortlich. Der Mentor sollte erreichbar sein und sich Zeit nehmen und der Mentee sollte aktiv berichten und Fragen stellen.
Ein wichtiger Erfolgsfaktor für das Programm ist, dass Mentor und Mentee überzeugt davon sind, dass lebenslanges Lernen und die stetige Erweiterung des Netzwerkes für ein Vorankommen im Job essenziell sind. Denn 80 % des Wissens im Praxisalltag wird von Kollegen zu Kollegen weitergegeben. Nur 20% des praktischen Wissens stammt aus Fachliteratur.

Probleme frühzeitig vorbeugen

In einer US-Studie untersuchte man Mentoren-Tandems. Dabei zeigte sich, dass 50% der Mentoren  und 40% der Mentees für den anderen nicht erreichbar waren. 30 % der Tandems haben demnach überhaupt nicht funktioniert. Wie kann man das ändern?
Im digitalen Zeitalter gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten. Nicht immer muss man sich „face to face“ treffen, möglich sind auch Telefonate, Nachrichtendienste oder eMail. Egal wie man miteinander redet, wichtig ist die Regelmäßigkeit. Da hilft ein Plan, wann man sich trifft. Manchmal stellt sich erst im Gespräch heraus, dass beim Mentee etwas nicht gut läuft. Aufgabe des Mentors ist es dann, den Mentee zu bestärken auch schwierige Tätigkeiten (z.B. OPs) anzupacken. Beruhigend ist dann die Gewissheit, dass der Mentor dem Mentee die Dinge zutraut, in der Nähe ist und notfalls eingreifen kann.

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