Geflügelpest

Geflügelpest breitet sich in Deutschland aus

Die Geflügelpest ist in Deutschland angekommen und breitet sich zudem im Westen Europas weiter aus. Nutzgeflügel muss nun so gut wie möglich geschützt werden.

Nach ersten Funden Ende Oktober ist die hochpathogene aviäre Influenza (HPAI) binnen kurzer Zeit in Teilen Nord- und Westeuropas aufgetreten. Betroffen war nach etlichen Wildfunden im Norden Deutschlands in der vergangenen Woche auch erstmals eine Geflügelhaltung in Schleswig-Holstein. Dabei handelte es sich um einen Bestand mit 57 Hühnern auf der Hallig Oland im Kreis Nordfriesland.
Der letzte Geflügelpestausbruch in einer Hausgeflügelhaltung in Schleswig-Holstein war im März 2018 in einer kleinen Geflügelhaltung auf der Hallig Süderoog verzeichnet worden. Die hochpathogene Seuche war allerdings noch im März 2020 in verschiedenen Geflügelbetrieben Niedersachsens und Sachsen-Anhalts aufgetreten.
Wie Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht feststellte, zeigt der aktuelle Fall in Nordfriesland, wie schnell das Virus bei dem derzeit hohen Infektionsdruck in der Umwelt auf Hausgeflügelhaltungen übergreifen kann. Den hohen Seuchendruck belegten in der zweiten Wochenhälfte zudem viele neue Funde bei Wildvögeln in Schleswig-Holstein, Einzelfunde in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern, aber auch Ausbrüche in Geflügelhaltungen in Belgien und Großbritannien

Nutzgeflügel schützen

Das Kieler Landwirtschaftsministerium wies darauf hin, dass Nutzgeflügel vor einem möglichen Erregereintrag bestmöglich geschützt und die in der Geflügelpest-Verordnung vorgeschriebenen Biosicherheitsmaßnahmen konsequent umgesetzt werden müssten. Hierzu gehöre unter anderem:
  • Tiere nur an für Wildvögel unzulänglichen Stellen füttern;
  • Oberflächenwasser, das zugänglich für Wildvögel ist, nicht für das Tränken von Tieren nutzen;
  • Futter, Einstreu und sonstige Gegenstände, mit denen das Geflügel in Berührung kommen können, für Wildvögel unzugänglich aufbewahren und
  • bei erhöhten Tierverlusten im Bestand eine veterinärmedizinische Untersuchung durchführen, um ein unklares Krankheitsgeschehen im Bestand abzuklären und das Vorliegen einer Infektion mit Geflügelpestviren auszuschließen.

Hohes Risiko für Geflügel in Deutschland

Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) stuft das Risiko weiterer Einträge von HPAI-H5-Viren nach Deutschland als hoch ein. Die weitere Ausbreitung in Wasservogelpopulationen in Deutschland und ein Eintrag in deutsche Nutzgeflügelhaltungen und Vogelbestände in zoologischen Einrichtungen durch direkte und indirekte Kontakte zu Wildvögeln werden ebenfalls als hoch eingeschätzt.
Auffälliges Verhalten und Totfunde bei Wildvögeln sollten nach Angaben des FLI umgehend den Veterinärbehörden zur Bergung und Untersuchung gemeldet werden. In Zoos und Geflügelhaltungen, insbesondere mit Auslauf- und Freilandhaltung, sollten Präventions- und Biosicherheitsmaßnahmen dringend überprüft und wenn nötig optimiert werden. Oberste Priorität hat nach Darstellung des Instituts jedoch der Schutz der Nutzgeflügelbestände vor einem Eintrag und der möglichen weiteren Verbreitung von HPAI-Virusinfektionen. Hierzu müssten die einschlägig empfohlenen Biosicherheitsmaßnahmen und Überwachungs- und Abklärungsuntersuchungen überprüft und unbedingt konsequent eingehalten werden, betonte auch das FLI.

Risiko bewerten und ggf. früh schlachten? 

Der Fund einer mit Geflügelpest vom Subtyp H5 infizierten Stockente vergangene Woche im Landkreis Cuxhaven sollte nach Auffassung von Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast Anlass sein „für eine extrem hohe Wachsamkeit im Land“. Sie rief die Geflügelhalter dazu auf, ihre Tiere zu schützen und die Biosicherheitsmaßnahmen konsequent auf den Betrieben umzusetzen. Zudem empfiehlt das Landwirtschaftsministerium in Hannover eine Risikobewertung nach den Vorgaben der Geflügelpest-Verordnung durchzuführen. Diese ist eine wesentliche Voraussetzung für die Anordnung einer Stallpflicht für Freilandgeflügel durch den zuständigen Landkreis beziehungsweise die zuständige kreisfreie Stadt.
In Mecklenburg-Vorpommern war bereits am 26. Oktober auf der Insel Rügen ein an Geflügelpest vom Subtyp H5N5 verendeter Mäusebussard gefunden worden. Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus pochte ebenfalls darauf, dass die Geflügelhalter die Biosicherheitsmaßnahmen „peinlich genau einhalten“. Es müsse unbedingt verhindert werden, dass das Virus in die Nutztierbestände eingetragen werde. Der Minister riet dazu, Bestände, die zur Schlachtung anstehen, schon jetzt zu schlachten. „Die Partner der Betriebe und ihre Kunden könnten sich frühzeitig mit Geflügel für die Feiertage eindecken. So lassen sich drohende finanzielle Einbußen abwenden,“ betonte Backhaus.

Aufstallungsgebot in Belgien

In Belgien hat unterdessen Landwirtschaftsminister David Clarinval für die Geflügelhalter ein Aufstallungsgebot erlassen, um einer Infektion der Tiere mit dem hochpathogenen Geflügelpestvirus des Typs H5 vorzubeugen. Begründet wird die Vorsichtsmaßnahme mit dem erhöhten Einschleppungsrisiko der Krankheit, und zwar durch Zugvögel aus Russland und Kasachstan, aber auch durch Vögel aus dem Nachbarland.
In den Niederlanden war in einem Geflügelbetrieb mit Masthähnchen-Elterntieren in Altforst die Geflügelgrippe vom Typ H5 nachgewiesen worden. Der betroffene Bestand umfasste 35.700 Tiere, die von Mitarbeitern der niederländischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (NVWA) getötet wurden, um der Ausbreitung des Virus vorzubeugen. Der betreffende Betrieb in der Provinz Gelderland ist etwa 20 km von der deutsch-niederländischen Grenze bei Kleve entfernt.
Auf einem weiteren niederländischen Betrieb in Puiflijk bei Nijmegen wurde am vergangenen Donnerstag ebenfalls die Geflügelgrippe des Typs H5 festgestellt, wobei es sich vermutlich ebenfalls um eine hochpathogene Variante handelte. Die rund 100.000 Legehennen in diesem Betrieb und weitere 115.000 Aufzuchtlegehennen in einem benachbarten Betrieb wurden ebenfalls vorsorglich getötet.
Auch aus Großbritannien wurden bereits Seuchenausbrüche in Geflügelhaltungen gemeldet. Betroffen waren nach Angaben der Veterinärbehörden eine Farm in der englischen Grafschaft Kent mit insgesamt 480 Hühnern, die mit H5N2 infiziert waren. Ein weiterer Fall wurde in der Grafschaft Cheshire im Nordwesten Englands festgestellt, wo 13.500 Hennen wegen H5N8 gekeult werden müssen. Dänemark meldete ebenfalls einen mit H5N5 infizierten Wanderfalken.
Quelle: AgE

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