Geflügelpest

Geflügelpest breitet sich weiter aus

Die Geflügelpest breitet sich weiter in Europa aus. In NRW, Sachsen, Bayern sowie in Dänemark und Frankreich bestätigten die Behörden Infektionen bei Geflügel. 

Die hochpathogene Aviäre Influenza (HPAI) vom Subtyp H5N8 breitet sich nun offenbar auch in der Mitte und im Süden Deutschlands aus. Das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) bestätigte bis zum vergangenen Freitag einen Fall von Geflügelpest bei einer Wildganz im nordrhein-westfälischen Landkreis Kleve und bei einer Wildente im sächsischen Landkreis Torgau. Darüber hinaus wurde das Geflügelpest-Virus bei mehreren im Landkreis Passau (Bayern) erlegten Wildenten nachgewiesen. Die Behörden sind in den drei Bundesländern alarmiert und kündigten eine Intensivierung des Monitorings an.
In Norddeutschland hat sich die Situation derweil weiter verschlimmert. Neben zahlreichen Wildfunden an der Nord- und Ostseeküste wurden auch nachweislich an der Seuche verendete Wildvögel in bisher nicht betroffenen Landesteilen bestätigt, so im schleswig-holsteinischen Kreis Herzogtum Lauenburg. Hinzu kommen etliche Ausbrüche in größeren Geflügelhaltungen. Zuletzt betraf dies eine Gänsehaltung mit 650 Tieren auf Pellworm und einen Hennenhaltungsbetrieb nahe Gnoien im Landkreis Rostock. Nach dem amtlichen Nachweis des Geflügelpestvirus vom Subtyp H5N8 wurde hier die Keulung von fast 70.000 Tieren angeordnet. Zuvor war die Tierseuche schon in anderen Hühner- und Putenhaltungsbetrieben in Mecklenburg-Vorpommern ausgebrochen.
Wegen der prekären Lage beriet sich Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus am vergangenen Freitag mit Vertretern der im Seuchengebiet liegenden Landkreise über das weitere Vorgehen. Im Raum stand unter anderem eine Ausweitung der Stallpflicht auf das ganze Land. Das Gremium verständigte sich jedoch darauf, diese wie bisher auf die von der Seuche betroffenen Teile der nördlichen Landkreise und um Schwerin zu beschränken und die weitere Entwicklung zu beobachten. Unterdessen hat der aktuelle Seuchenzug der Vogelgrippe auch Frankreich erreicht. Hinzu kommen weitere Fälle in Dänemark.

Was passiert bei Geflügelpest?

Die Geflügelpest, auch aviäre Influenza (AI) oder Geflügelgrippe genannt, ist eine hochansteckende Viruskrankheit von Hühnern und Puten, aber auch viele andere Vögel sind empfänglich. Nach einer kurzen Inkubationszeit verläuft die Erkrankung schnell und endet für die betroffenen Tiere meist tödlich. Betroffene Tiere zeigen Symptome wie hohes Fieber, Appetitlosigkeit, Schwäche, Teilnahmslosigkeit und Atemnot. Es kommt zu einem drastischen Rückgang der Legeleistung
Quelle: Niedersächsisches Landesamt für für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit

Risiko steigt

Derweil bekräftigen die jeweiligen Minister die Empfehlungen für Geflügelhalter. So verteidigte Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber die Anordnung der Stallpflicht im gesamten Landkreis Rottal-Inn und in großen Teilen des Landkreises Passau.
Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister Peter Hauk rief die Halter im Land zu äußerster Vorsicht auf. Die Biosicherheit in den Geflügelhaltungen müsse sorgfältig überprüft und erforderlichenfalls optimiert werden.
Direkte und indirekte Kontakte des Geflügels (…) mit Wildvögeln sowie eine Erregereinschleppung über Einstreu, Futter und Tränkwasser in die Haustierbestände müssen in jedem Fall verhindert werden“
Peter Hauk, Landwirtschaftsminister Baden-Württemberg
Auch, wenn die Wildvögel frei vom Seuchenvirus sind, sind sie aktuell mitunter verantwortlich für Schäden in der Landwirtschaft. Der Landvolkverband Niedersachsen berichtete vergangene Woche von erheblichen Fraßschäden durch Wildgänse, die vor allem in den Hauptzuggebieten im Nordwesten drohten. 

Virusnachweis auf Korsika und Dänemark

Wie das Landwirtschaftsministerium in Paris bereits mitgeteilt hatte, wurde die Geflügelpest vom Virus-Subtyp H5N8 in einem Gartencenter in der Nähe von Bastia auf Korsika nachgewiesen, nachdem in der Tierhandelsabteilung unter den Vögeln eine erhöhte Sterblichkeit aufgefallen war. Der gesamte Bestand sei vorsorglich getötet worden; Medienberichten zufolge waren etwa 200 bis 300 Hühner betroffen. Die Biosicherheitsauflagen im Land wurden daraufhin verschärft.
Seit dieser Woche müssen private und professionelle Geflügelhalter auf Korsika und auf dem französischen Festland den Kontakt ihrer Bestände zu Wildvögeln verhindern, entweder durch eine Aufstallung oder durch Netze. Ausstellungen, Messen und Wettbewerbe mit Vögeln seien untersagt, ebenso der Transport und die Auswilderung von Wildvögeln sowie der Einsatz von Lockvögeln bei der Jagd, teilte das Ministerium mit.
Auf Korsika wurden den Ressortangaben zufolge weitergehende Überwachungs- und Transportbeschränkungen eingeführt, um den Ausbruch einzudämmen. Derzeit werde noch untersucht, ob die Verbreitung über Wildvögel oder Nutztiere erfolgt sei. Im Rahmen einer ersten Analyse seien bei dem nachgewiesenen Erreger Ähnlichkeiten zu den derzeit in den Niederlanden grassierenden Varianten aufgefallen.
In Dänemark war nach Angaben der Veterinär- und Lebensmittelbehörde ein Hühnerbestand mit 25.000 Tieren in Tustrup bei Randers betroffen. Der Seuchenausbruch wurde nur eine Woche nach den ersten Wildfunden an der dänischen Nordseeküste festgestellt. Die Behörde veranlasste daraufhin die Keulung der gesamten Herde.
Darüber hinaus hat schon dieser eine Fall erhebliche Auswirkungen für die dänische Geflügelproduktion. Mit der amtlichen Feststellung der Tierseuche wird eine Reihe von Abnehmerländern außerhalb der EU für dänische Eier, Geflügel und Geflügelprodukte für drei Monate für den Export gesperrt. Mit jedem neuen Fall verlängert sich die Sperre automatisch.
Quelle: AgE

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