Immunokastration

Kritik am Impf-Verbot für Bio-Eber

Tierschutz- und Ökoverbände kritisieren die Entscheidung der Bundesländer, die Impfung gegen Ebergeruch vorübergehend auszusetzen, und fordern eine Klärung in der EU. 

Der Anbauverband Naturland, die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) und die Tierschutzorganisation Provieh haben gemeinsam die Bundesländer aufgefordert, ihren unkoordinierten Ausstieg aus der Impfung gegen Ebergeruch im Ökolandbau bis zur endgültigen Klärung mit der EU-Kommission zurückzunehmen.
Wie die drei Organisationen am vergangenen Donnerstag (3.9.) mitteilten, sei bei der Sonder-Agrarministerkonferenz Ende August ein weiteres Mal deutlich geworden, dass die Bundesländer bei diesem Thema zutiefst gespalten seien; neun von ihnen hätten sich für die Impfung ausgesprochen. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner sei aufgefordert worden, die Vorschriften zur Impfung bis Anfang 2021 auf EU-Ebene zu klären.

Öko-Schweinehalter wollen Klarheit

„Die Bundesländer sind sich nicht einig, aber wir Öko-Schweinehalter benötigen Klarheit über die zulässigen Verfahren und nicht noch mehr Chaos“, betonte Naturland-Präsident und Bio-Schweinehalter Hubert Heigl. Die EU-Kommission hatte die Immunokastration von Bio-Ebern im Juni als nicht rechtskonform mit der EU-Ökoverordnung eingestuft, woraufhin die Länderarbeitsgemeinschaft ökologischer Landbau (LÖK) und einige Bundesländer die Impfung gegen Ebergeruch auf Biobetrieben nicht mehr akzeptieren.
Die drei Verbände wiesen darauf hin, dass die EU bereits 2011 beschlossen habe, bis 2018 aus der Ferkelkastration gänzlich auszusteigen, wobei das Ziel nicht erreicht worden sei. In Deutschland ende die betäubungslose Ferkelkastration am 1. Januar 2021. „Die Politik soll anfangen, ihre eigenen Beschlüsse ernst zu nehmen“, forderte der stellvertretende TVT-Vorsitzende Prof. Thomas Blaha. Es sei komplett inkonsequent, die bereits bei zahlreichen Ökobetrieben etablierte Impfung zu verbieten und die Betriebe zu zwingen, wieder chirurgisch zu kastrieren.

Angst vor Rückschritt

Provieh-Referent Patrick Müller stellte klar, dass zahlreichen Experten zufolge die Improvac-Impfung neben der Ebermast die tierschonendste Alternative zur Kastration darstelle. „Ein Verbot der Impfung, ausgerechnet im Ökolandbau, ist komplett absurd und würde darüber hinaus auch die Akzeptanz der Impfung im konventionellen Sektor auf Jahre hinaus gefährden“, warnte Müller. Damit stehe ein reibungsloser Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration auf dem Spiel und Deutschland könne im Tierschutz massiv zurückfallen.
Quelle: AgE

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Tragen Sie sich jetzt ein und wir senden Ihnen automatisch weitere Artikel zu