Tierschutz

Qualvolle Lebenttiertransporte stoppen!

Tage- und wochenlange Transporte lebender Wiederkäuer rund um den Globus, qualvoller Umgang mit Schlachttieren beim Schächten und das hochwertig verarbeitete Leder landet in Form von Taschen, Schuhen und Kleidungsstücken im europäischen Handel? Eine ZDF-Dokumentation wirft viele Fragen auf.

Es ist schwer zu verstehen, welche absurde Ausmaße die Globalisierung angenommen hat. Rinder weiden auf abgeholzten Regenwäldern in Brasilien, bei Erreichen des Schlachtgewichtes werden sie auf riesigen Schiffen wochenlang über den Pazifischen Ozean und das Mittelmeer in die Türkei und den Libanon verschifft. Die anfallende Gülle und Tierkadaver werden im Meer entsorgt. Am Zielort angekommen erwartet die Schlachttiere häufig das Schächten, also die betäubungslose Tötung durch Kehlschnitt mit dem Messer. Die Türkei exportiert Lederwaren im Wert von mehreren Milliarden US-Dollar mit steigenden Aussichten.
Mit Achtung verstörende Bilder" warnt das ZDF Fernsehzuschauer zu Beginn der 37 Grad Sendung Tiertransport grenzenlos, Leder für Deutschland", die am 18.02.20 spät abends zu sehen war. Obwohl man die Bilder der Dokumentation von Manfred Karremann schwer wieder los wird, verdeutlicht sie sehr gut, wozu internationaler Handel fähig ist. Hier bestimmt die Nachfrage das Angebot, Tierschutz, würdevoller Umgang mit Tieren und einhaltgebietende Kontrollen scheinen keine Rolle zu spielen.
Im Alltag der Rinderhaltung bleiben viele Fragen unbeantwortet. Wo gehen tragende Färsen für den Export tatsächlich hin? Auf welche Reise schicken wir unsere männlichen Kälber? Was passiert mit den Tieren, nachdem sie die EU-Außengrenzen passiert haben? Trotz Einschränkungen und Exportverboten finden sich Rinder mit deutschen Ohrmarken auf libyschen oder türkischen Schlachthöfen, wie die ZDF-Dokumentation zeigt.

Bereits 2017 forderte die Bundestierärztekammer von der Bundesregierung, unverzüglich durchgreifende Maßnahmen zu ergreifen, die nachhaltig für die Abstellung der Mängel sorgen. „Andernfalls dürfen Transporte von lebenden Tieren in Drittländer wie Türkei, Libanon oder Ägypten von den EU-Mitgliedsstaaten nicht mehr durchgeführt werden!“ so Dr. Uwe Tiedemann, Präsident der Bundestierärztekammer. „Jeder, der einen Tiertransport auf den Weg schickt, trägt auch eine Verantwortung für den Schutz dieser Tiere – diese Verantwortung endet nicht an der Grenze!“
Tierschutz endet nicht an den EU-Außengrenzen!

Die BTK fordert erneut die EU, die Bundesregierung und die Länder auf, unverzüglich die Abfertigung von Tiertransporten in Drittländer bis auf weiteres zu untersagen und und alles in ihrer Macht stehende zu tun, um das Leiden der Tiere zu verhindern:
  • Die Abfertigung von Tiertransporten nur dann zu erlauben, wenn vor dem ersten Transport auf einer Route durch eine unabhängige Kommission abgesichert ist, dass alle Tierschutzanforderungen lückenlos eingehalten werden,

  • Die unbedingte Einhaltung der im Europäischen Übereinkommen über den Schutz von Tieren beim internationalen Transport festgelegten Anforderungen,

  • Eine zügige Abfertigung von Tiertransporten beim Grenzübertritt und, sofern Wartezeiten in Einzelfällen unvermeidlich sein sollten, ein zügiges Abladen und eine ordnungsgemäße Versorgung der Tiere während der Wartezeiten in geeigneten und von den zuständigen Behörden zu kontrollierenden Unterbringungen,

  • Transportzeiten grundsätzlich so kurz wie möglich zu halten und Schlachttiere so nah wie möglich am Ort der Erzeugung zu schlachten. Der Transport von lebenden Tieren sollte, wo immer möglich, durch den Transport von Schlachtkörpern bzw. tierischen Erzeugnissen ersetzt werden.

Quelle: ZDF 37 Grad
Bundestierärztekammer