Corona

Tierärzte fürchten Notstand

Die Tierärzte in Deutschland sehen die veterinärmedizinische Versorgung durch die Ausbreitung des Coronavirus gefährdet. Fünf Tierarztverbände und der Tierschutzbund fordern, die Versorgung von Tieren in Zeiten von Corona als "systemrelevant" einzustufen.

Angesichts steigender Fallzahlen bestehe dringender Handlungsbedarf, um den Tierschutz und die Tierseuchenbekämpfung sicherzustellen, heißt es in einem Brief, den der Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt), die Bundestierärztekammer (BTK), der Bundesverband der beamteten Tierärzte (BbT), die Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft (DVG), der Veterinärmedizinische Fakultätentag und der Deutsche Tierschutzbund gestern an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner gerichtet haben.
Die Verbände fordern, Tierärzte, tiermedizinische Fachangestellte sowie Tierpfleger unverzüglich als systemrelevante Berufe einzustufen und für Tierarztpraxen und tierärztliche Kliniken flexible Quarantäneregelungen ähnlich denen der Humanmedizin zu erlassen. Außerdem sollten Hygienerichtlinien zum Umgang mit dem Coronavirus in Tierarztpraxen, landwirtschaftlichen Betrieben und Tierheimen erarbeitet werden, um Angestellte und Tierhalter bestmöglich zu schützen.
Um schnell und möglichst einheitlich auf die weitere Entwicklung reagieren zu können, ist nach Ansicht der Verbände auch die Einrichtung eines Expertengremiums aus Vertretern von Bundesregierung, Behörden und Universitäten sowie Verbänden von Tierärzten und Tierhaltern dringend notwendig. Die Behandlung kranker Tiere, die Sicherheit von Lebensmitteln und die Bekämpfung von Tierseuchen müssten zum Schutz von Mensch und Tier auch weiterhin flächendeckend gewährleistet werden können.

Werden Impfstoffe knapp?

Durch das Corona-Virus würden Antibiotika und Impstoffe für Nutztiere wie Kühe knapp, warnt Ulf-Michael Stumpe, Tierarzt aus Wriezen (Märkisch Oderland). Viele dieser Arzneien wurden bisher in China hergestellt. Wegen des Corona-Virus ist die Produktion dort jedoch weitgehend erlahmt, sodass Stumpe Engpässe in Deutschland befürchtet. Diese könnten noch verschärft werden, wenn zusätzlich Mitarbeiter in Logistikzentren unter Quarantäne gestellt würden. Stumpe, der sich als Tierarzt schon mit der Vogelgrippe und der Afrikanischen Schweinepest beschäftigt hat, betreut in Brandenburg ungefähr 10 000 Milchkühe medizinisch. Zurzeit sieht er kein akutes Problem, aber er macht sich Sorgen: "Die Vorräte werden knapp. Wenn wir gegen bestimmte Krankheiten nicht mehr impfen können, dann sterben vielleicht mehr als 10 Prozent der Kühe." Nach zwei bis drei Monaten fürchtet Stumpe dann auch Probleme für die Lebensmittelversorgung.
Quelle: AgE; rbb24

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