Interview

Tierärztin als Erfolgsautorin

Tierärztin Lisa Keil zog  aufs Land, um sich ihren  Traum von der Arbeit in einer landwirtschaftlichen Praxis zu erfüllen. Ihre Erlebnisse fließen in ihre Romane ein.

Lisa Keil (40) lebt mit ihrem Mann und ihren fünf und neun Jahre alten Kindern in Ense im Kreis Soest. Dorthin hat es die Frankfurterin im Anschluss an ihr Studium der Veterinärmedizin verschlagen. Denn so konnte sie sich ihren Traum von der Arbeit in einer Großtierpraxis erfüllen.
Vor gut drei Jahren begann sie als Ausgleich zu ihrem Berufsalltag und dem Familienleben einen Liebesroman zu schreiben. Zunächst war er nur für ihre Freundinnen gedacht. Ermutigt durch die positive Rückmeldung im Rahmen eines Schreibseminars, wagte sie den Schritt, sich auf die Suche nach einem Verlag zu begeben. Damit gelang ihr das, wovon viele Autoren nur träumen können: Ein renommierter Verlag kaufte ihr Buch. Der Roman „Bleib doch, wo ich bin“ verkaufte sich mehr als 50 000-mal. Damit landete Lisa Keil auf der Bestsellerliste.

Im Interview: Tierärztin und Romanautorin Lisa Keil 

Im Interview mit dem Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben hat sie erzählt, warum sie einen Roman geschrieben hat und welche Erfahrungen als praktische Tierärztin sie in ihren Büchern verarbeitet. 

Lisa Keil

Redakteur

Tierärztin und Buch-Autorin

Tierärzte sind beliebte Protagonisten in Liebesromanen. Ihr Roman ist jedoch vermutlich der erste, in dem auch Tiere sterben und in dem der Leser nebenbei erklärt bekommt, dass Kühe nur Milch geben können, wenn sie Kälber zur Welt bringen. Wollten Sie bewusst Aufklärungsarbeit betreiben?
Mein Roman soll kein „Erklärbärbuch“ sein. Die Themen haben sich über die Figuren ergeben: Die Städterin Anabel, die aus Berlin aufs Land kommt, und Tierarzt Rob, der dort seine Praxis hat. Neben der gegenseitigen Anziehung gibt es auch Konflikte. Anabel sieht in den Tieren vor allem Individuen und möchte jedes einzelne retten. Tierarzt Rob muss auch die Belange der landwirtschaftlichen Betriebe im Blick haben. Ich finde es wichtig, dass sie gegenseitig wenigstens versuchen, ihre Sichtweisen zu verstehen.
Mein Roman soll kein ‚Erklärbuch‘ sein.“
Lisa Keil, Tierärztin und Autorin
In Ihrem aktuellen Roman spielen auch Landwirte mit. Der eine wirkt schroff, der andere hat mal wieder vergessen, den Tierarzt rechtzeitig mit der Blutuntersuchung seiner Tiere zu beauftragen. Warum taucht kein engagierter, gut organisierter Landwirt auf?
Als ich mit dem Schreiben fertig war, ist auch mir aufgefallen, dass die Tierbesitzer – egal ob Kleintierbesitzer oder Landwirt – nicht so richtig gut darin wegkommen, obwohl ich die meisten meiner Kunden sehr mag. Das liegt wohl daran, dass ich Figuren mit Ecken und Kanten bevorzuge, weil sie die Handlung spannender machen. Den alten Landwirt beispielsweise finde ich aber durchaus sympathisch. Er ist für mich ein bisschen der typische Sauerländer Bauer, wie er mir früher durchaus bei meiner Arbeit begegnet ist: harte Schale, forsch im Ton und gut im Herzen.
Ich war erst 25  Jahre alt, als ich in der Großtierpraxis anfing. Trotzdem hatte ich nie das Gefühl, von den Bauern nicht ernst genommen zu werden. Ich glaube, das liegt daran, dass es in den landwirtschaftlichen Familien selbstverständlich ist, dass die Ehefrauen und Töchter mit anpacken. Daher zweifeln die Landwirte eher selten an, dass Frauen etwas leisten können. Ich mochte die Begegnungen immer sehr. Mittlerweile arbeite ich in einer Kleintierpraxis und vermisse es manchmal, auf die Höfe zu fahren.
Landwirte zweifeln eher selten daran, dass Frauen etwas leisten können.“
Lisa Keil
Wissen die Tierbesitzer, die zu Ihnen in die Praxis kommen, dass Sie gleichzeitig eine erfolgreiche Roman-Autorin sind?
Die meisten wissen es nicht. Ich versuche, diese beiden Bereiche in meinem Berufsleben zu trennen. Wenn ich in der Praxis bin, möchte ich in erster Linie die Tierärztin sein und nicht die Autorin. Vor Kurzem schrieb mir jedoch eine Hundebesitzerin eine Nachricht. „Mein Hund hat ja nun schon ein Autogramm von Ihnen in seinem Impfpass. Würden Sie auch noch meinen Roman signieren?“ Ihr war erst am Endes des Buchs bewusst geworden, dass die Autorin die Tierärztin ist, die vor wenigen Wochen ihren Hund geimpft hatte.
Sie sagen über sich selbst, dass Sie Liebesromane nicht so gerne lesen. Warum haben Sie dann selbst einen geschrieben?
Ich lese Liebesromane deshalb nicht gerne, weil mir die Figuren darin meist zu stereotyp sind. Die männliche Hauptfigur ist in der Regel ein harter Kerl. Und Liebesszenen werden entweder komplett ausgeblendet oder in den Büchern geht es gleich um nichts anderes als um Sex, so wie bei „Shades of Grey“. Ich wollte ein Buch schreiben, in dem die männliche Hauptfigur durchaus ihre weichen Seiten hat. Und statt dort aufzuhören, wo das Liebespaar sich in die Arme sinkt, und die Geschichte am nächsten Morgen weiterzuerzählen, wollte ich Sexszenen schreiben, wie ich sie selbst gerne mag.
Viele Leserinnen kaufen ein Buch, weil ihnen das Cover gefällt. Inwieweit haben Sie als Autorin bei der  Gestaltung Mitspracherecht?
Die endgültige Cover-Entscheidung trifft der Verlag, aber natürlich durfte ich Wünsche äußern und einer davon überraschte bei Fischer. In meinem ersten Buch spielt ein Shetlandpony eine wichtige Rolle, deshalb wollte ich gern eins auf dem Umschlag haben. Der Verlag hatte jedoch Sorge, dass das zu sehr nach Jugendbuch aussehen und nicht zu einem Frauenroman passen würde. Am Ende haben sie mir zuliebe links unten in die Ecke zwei kleine Pferde gesetzt. Nach dem Erscheinen schrieben dann viele Leserinnen, wie toll sie das fanden. Auf dem Titelbild meines neuen Romans hat das Pferd nun einen prominenteren Platz in der Mitte bekommen. Als ich das gesehen habe, musste ich schmunzeln. Mal sehen, welches Tier im nächsten Jahr auf meinem dritten Roman erscheinen wird. 

Das Cover des Romans von Tierärztin Lisa Keil.  (Bildquelle: Fischer Verlag)

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