Klauenerkrankung

Limax hat genetische Ursachen

Limax
Das für Limax verantwortliche Gen wurde identifiziert. Jetzt kann die Gliedmaßenerkrankung gezielt durch Züchtung reduziert werden. Foto: Zaspel

Bislang wurde die interdigitale Hyperplasie (Syn. Limax, Tylom) auf ungünstige Haltungshygiene zurückgeführt. Wissenschaftler haben jetzt das für die Klauenerkrankung verantwortliche Gen identifiziert.

Wissenschaftlern der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und der Georg-August-Universität Göttingen ist der Nachweis gelungen, dass diese Klauenkrankheit von Kühen wesentlich genetisch bedingt ist. Mit gezielter Züchtung könnte die interdigitale Hyperplasie nun eingedämmt werden.

Unter der Krankheit leiden drei bis acht Prozent aller Kühe in Deutschland im Laufe ihres Lebens, meist jedoch in höherem Alter. Zwischen den beiden Zehen der Klaue von Rindern wächst dabei eine weitere, "verkümmerte" Zehe heran, welche die eigentlichen Zehen auseinanderspreizt. "Es kommt zu Hautrissen, die wiederum Eintrittspforten für Bakterien und damit für weitere Erkrankungen bilden", so Hermann Swalve, Professor für Tierzucht am Institut für Agrar- und Ernährungswissenschaften der MLU. Die Tiere lahmen, die Lebensdauer wird verkürzt.

Bei der genetischen Untersuchung von Kühen eines Betriebes in Nordwestdeuschland, auf dem 60% der Kühe Limax aufwiesen, wurde der komplette ursächliche Genabschnitt vergleichend sequenziert und festgestellt, dass eine Mutation bei den erkrankten Kühen zum Austausch einer Aminosäure führt.

Für Swalve ist es überraschend, dass der genetische Hintergrund der Erkrankung so lange außer Acht gelassen wurde - obwohl bereits 1952 der damals international anerkannte Veterinärmediziner Richard Götze aus Hannover einen fast ausschließlich genetischen Hintergrund für die Interdigitale Hyperplasie vermutete. In die Züchtung habe dies keinen Eingang gefunden. Erst mit der nun vorliegenden Studie werde die Vermutung Götzes bestätigt.

Quelle: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Originalarbeit: Zhang et al. Interdigital Hyperplasia in Holstein cattle is associated with a missense mutation in the signal peptide region of the Tyrosine-protein kinase transmembrane receptor gene. Frontiers in Genetics (2019).

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