Berlin Brandenburgischer Rindertag

Nicht mehr als 5% Geburtsverletzungen

Zughilfe führt oft zu Verletzungen der weichen Geburtswege.

Bei Rindern treten Verletzungen der Geburtswege überdurchschnittlich häufig gegenüber anderen Säugetieren auf. Dabei ist die schnelle Heilung dieser Verletzungen bemerkenswert.

Die Gruppe um Prof. Axel Wehrend, Universität Gießen, hat diese Verletzungen genauer untersucht und kategorisiert. Das Ziel war es unter anderem für forensische Fälle einen Schlüssel zu entwickeln, um erkennen zu können, ob die Verletzungen durch unsachgemäße Geburtshilfe oder durch den normalen Geburtsverlauf entstanden sind. 
Hierfür wurden in einer Studie nach 50 Spontangeburten, das heißt ohne jegliche menschliche Geburtshilfe, die weichen Geburtswege untersucht und die entstandenen Verletzungen dokumentiert. Die Scheide wurde von Zervix bis äußerer Vulva in fünf Zonen aufgeteilt (Vulva, Vestibulum vaginae, Hymenalring, Vagina und Zervix) und die Verletzungen in diesen Zonen nach Schweregrad und Häufigkeit notiert. Hilfsmittel war hierbei ein einfaches Röhrenspekulum. Untersucht wurden die Kalbinnen an Tag 0, 1, 5, 10, 15 und 21 post partum.


Färsen sind häufiger verletzt
Färsen wiesen dabei mehr Verletzungen auf als Mehrkalbskühe. Die meisten Verletzungen traten dabei im Bereich des Hymenalrings und der Vulva auf. So gut wie keine Verletzungen (bis auf leichte Schleimhauteinblutungen) gab es im Bereich der Vagina und der Zervix. Bei Färsen war der Schweregrad höher und die Häufigkeit der Verletzungen vermehrt und die Dauer der Heilung deutlich verlängert gegenüber den Mehrkalbskühen.
Für die Praxis lässt sich schlussfolgern, dass mehr als 5 % Geburtsverletzungen im Bestand zu viel sind und Verletzungen im Bereich der Zervix und Vagina in der Regel nur durch Einwirkung zusätzlicher Geburtshilfe entstehen. Der sensibelste Punkt des Geburtsweges ist der Hymenalring. Hier gilt es besonders viel Dehnungsarbeit während der Geburtshilfe zu leisten und das Kalb nur vorsichtig weiter Richtung Vulva zu entwickeln. Bei Untersuchungen nach der Geburt kann an Tag 15 post partum bei Mehrkalbskühen eine komplette Heilung der Verletzungen im Bereich des Hymenalrings erwartet werden, bei Färsen sind diesem zu dem Zeitpunkt häufig noch nicht verheilt. Gleiches gilt für die Verletzungen der Vulva, wobei diese bei der Hälfte der Färsen sowie 8 % der Kühe zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollständig abgeheilt sind. 

Dr. Livia Bella-Paul, Tierärztin aus NRW

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