Klauenpflege

All inclusive bei der Klauengesundheit

Eine Tierarztpraxis kümmert sich um die Klauengesundheit: von der Pflege, über Therapie, Kennzahlenauswertung bis zur weiterführenden Beratung. Ein Konzept für gesunde Klauen in der Herde.

Falk Mühe

Redakteur

Tierarztpraxis Ottersberg

Klauenpflege ist nicht jedermanns Sache. Es braucht einen Klauenstand, der gut funktioniert und kraftsparendes, körperschonendes Arbeiten möglich macht. Die Technik des funktionellen Klauenschnitts will gelernt und dann geübt werden. Auf der Liste der anstehenden Arbeiten im landwirtschaftlichen Betrieb stehen die Klauen nicht selten ganz hinten. Fällt die Klauenpflege öfter aus, nimmt das Lahmheitsproblem zu und die Zahl der zeitaufwendigeren Klauenbehandlungen (Klotz, Verband) wird größer. Ein Teufelskreis! Die Klauengesundheit ist aber ein wichtiger Erfolgsfaktor in einer Milchkuhherde, denn Lahmheiten wirken sich nachteilig auf das Brunstverhalten, die Liege -und Fresszeiten aus.

Der Tierarzt gibt nach jeder Klauenbehandlung Diagnosen in Kurzform ein. Die Auswertung kommt via E-Mail. (Bildquelle: Weerda)

Dreimal im Jahr in den Klauenstand

In der Praxis gibt es unterschiedliche Herangehensweisen an die Klauengesundheit: Landwirte schneiden selber regelmäßig bei ausgewählten Tieren die Klauen oder sie beauftragen professionelle Klauenschneider für die Klauenpflege der ganzen Herde. Schwere Fälle werden den Tierärzten vorgestellt. Selten tauschen sich Klauenpfleger und Tierarzt untereinander über die Befunde im Betrieb aus. Das Monitoring der Klauenkrankheiten und die Auswertung der Kennzahlen obliegen dem Landwirt, der dieser Aufgabe mehr oder weniger nachkommt. Das alles führt dazu, dass viele Milcherzeuger mit vermeidbaren Klauengesundheitsproblemen zu kämpfen haben.
Das brachte die Tierärzte der Praxis Ottersberg bei Bremen auf die Idee, das Management der Klauengesundheit für den Landwirt komplett zu übernehmen und als „All inclusive“-Dienstleistung anzubieten. Sie investierten in einen modernen hydraulischen Klauenstand, erweiterten ihr Team durch einen professionellen Klauenpfleger und entwickelten ein Konzept. Ihr Ziel: Jede Kuh soll dreimal jährlich im Stand kontrolliert und bei Bedarf eine funktionelle Klauenpflege oder eine tierärztliche Behandlung erhalten. Nach einem Vorgespräch mit dem Tierhalter werden Termine im Vier-bis-sechs-Wochen-Rhythmus vereinbart.

Der tierarztpraxiseigene, hydraulische Klauenwagen wird nach jedem Besuch penibel gereinigt und desinfiziert. (Bildquelle: Weerda)

Für die Status-Quo-Erhebung wird zu Beginn der Lahmheitsscore aller Kühe mithilfe einer App (University of Wisconsin Loco Score) bestimmt. „Wir nehmen uns eine Melkzeit Zeit, um alle laktierenden Kühe im Stand und in der Bewegung zu beurteilen“, erklärt Praxisteilhaber Falk Mühe. Zu den vereinbarten, mehrstündigen Terminen beim Landwirt treffen sich dann Tierarzt und Klauenpfleger und bringen den hydraulischen Klauenstand sowie Treibegitter mit. Die Anzahl der Kühe, die im Rahmen eines Bestandsbesuches angesehen, gepflegt und behandelt werden sollen, stammt aus den folgenden Laktations- bzw. Tiergruppen:
  • Lahme und sehr lahme Kühe und Färsen (Lahmheitsscore 2 und 3)
  • Alle Kühe vom 21. bis 63. Laktationstag (nach der Frischkalberphase)
  • Alle Kühe vom 147. bis 189. Laktationstag (in der Laktationsmitte)
  • Alle Kühe vom 220. bis 242. Trächtigkeitstag (vor dem Trockenstellen)
  • Kühe zwischen dem 273. und 315. Laktationsstag, die nicht weniger als 80 Tage tragend sind (späte Trächtigkeit)
  • Färsen vom 219. bis 275. Trächtigkeitstag und damit im letzten Trächtigkeitsdrittel (vor Erstkalbung)

In der Praxis arbeiten ein Klauenpfleger und ein Tierarzt erfolgreich Hand in Hand an der Kuh. (Bildquelle: Weerda)

Mehrstündiger Klauentermin

Kommt eine Kuh in den Klauenstand, wird sie hydraulisch auf Arbeitshöhe gebracht, alle vier Füße angehoben und festgeschnallt. Breite Bauchgurte halten die Kuh. Tierarzt und Klauenpfleger arbeiten gemeinsam und routiniert am Tier. Dabei bekommen alle Klauen einen funktionellen Klauenschnitt und im Bedarfsfall auch eine tierärztliche Therapie. Befunde werden direkt über ein Tablet am Klauenstand erfasst (Programm: dsp-Klaue). Der Landwirt bekommt anschließend eine Übersicht über das, was Tierarzt und Klauenpfleger getan haben. Weiterhin erhält er eine Liste der Tiere, bei denen in drei Tagen die Verbände abgenommen werden müssen bzw. die in sieben Tagen zur Nachbehandlung anstehen. Das soll verhindern, dass die Abnahme der Verbände vergessen wird.

Nach dem Besuch des Tierarztes und des Klauenpflegers bekommt der Tierhalter die Auswertung mit Diagnosen. (Bildquelle: Weerda)

Bestandsberatung von den Klauen aus

Die Befunde der Klauenbehandlungen geben Ansätze zur Betriebsberatung. Die Einflüsse der Fütterung, Lüftung als auch des Stallbaus auf die Klauengesundheit werden von der Tierarztpraxis im Rahmen der Bestandsbetreuung besprochen. Somit gibt diese zusätzliche Dienstleistung die Möglichkeit, auf wichtige Bereiche im Betrieb, als Tierarztpraxis, Einfluss zu nehmen.
Der Erfolg der Klauenpflege, -behandlung und Beratung wird alle vier Monate durch Erfassung des Lahmheitsscores beurteilt. Der Fokus der Landwirte auf die Klauengesundheit ist durch das Programm verstärkt worden. „Wenn wir unseren Kunden anhand der Verbesserung der Kennzahlen zeigen können, dass unsere Arbeit Erfolg bringt, ist es kein Problem, die Dienstleistung abzurechnen. Der Erfolg und der Zulauf zu diesem Klauenkonzept gibt uns Recht, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, so der Tierarzt.

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