Mastitistherapie

Antibiotika-Einsatz halbieren

Nicht jede Euterentzündung muss mit einem Antibiotikum behandelt werden. Mithilfe eines Schnelltests lassen sich die Kühe aufspüren, die auch ohne ein solches Arzneimittel  auskommen.

Wenn Antibiotika zur Behandlung von Euterentzündungen eingesetzt werden müssen, dann sollten sie auch wirken. Um zu bestimmen, ob Penicillin bei einer Euterentzündung hilft, lässt sich der MastDecidePlus-Schnelltest anwenden. Prof. Volker Krömker entwickelte diesen federführend an der tierärztlichen Hochschule Hannover.
Denn bei gram-negativen Erregern, wie zum Beispiel coliformen Bakterien, kann laut Wissenschaft auf Antibiotika verzichtet werden. Die gram-negativen Erreger verlassen das Euter kurz nach der Infektion von selbst. Eine antibiotische Behandlung bringt da nur wenig und kommt oft zu spät. Gram-positive Erreger (z. B. Streptokokken) reagieren dagegen sehr wohl auf die antibiotische Therapie. Wird kein Erreger nachgewiesen (30 bis 40 % der Fälle), ist auch kein Antibiotikum nötig.

Systematisch Mastitis behandeln

Kühe mit drei oder mehr Euterentzündungen in der aktuellen Laktation oder mit mindestens 700.000 Zellen/ml Milch in drei aufeinanderfolgenden Milchleistungsprüfungen gelten als nicht heilbar. Sie werden nicht mit einem Antibiotikum behandelt, sondern nur mit einem Entzündungshemmer, weil kein Heilungserfolg zu erwarten ist. Nach aktuellem Kenntnisstand bewährt es sich alle klinischen Mastiden mit einem Entzündungshemmer vorzubehandeln. Ob sie auch ein Antibiotikum bekommen, entscheidet die Schwere der Infektion, der Schnelltest und die Vorgeschichte (Therapiewürdigkeit) der Kuh.
Grundsätzlich gilt, dass an Mastitis erkrankte Kühe zunächst einen Entzündungshemmer für maximal drei Tage erhalten. Im nächsten Schritt wird dann überprüft, ob die Kuh überhaupt noch therapiewürdig ist (siehe oben).
Wenn die Kuh noch gute Heilungschancen hat, wird zur Erregerbestimmung eine sterile Milchprobe des erkrankten Euterviertels entnommen. Maximale Hygiene ist wichtig, denn sonst ist jede Probe aufgrund der Umweltkeime positiv und man erhält kein brauchbares Ergebnis!
Nach dem Entnehmen der Milchprobe wird der Schnelltest angesetzt und bei 37 °C im Inkubator bebrütet. An der Kuh wird der Schweregrad der Mastitis anhand der Symptome bestimmt: Hat sie nur Flocken, ist das Euter bereits geschwollen und gerötet oder hat die Kuh schon Fieber über 39,5 °C?
Bei einer leichten Mastitis (Flocken in der Milch) wird außer der Schmerzmittelgabe auf das Testergebnis gewartet. Bei einer mittleren Mastitis (Flocken sowie Schwellung und/oder Rötung des Euters) wird nur das betroffene Euterviertel antibiotisch behandelt. Kühe mit einer schweren Mastitis, die mit Fieber, Milchverlust, Fressunlust oder gar Festliegen einhergeht, erhalten sofort eine systemische Antibiotikabehandlung (Eutertube plus intramuskuläre Spritze). Zusätzlich sollten sie mit etwa 30 l lauwarmem Wasser gedrencht und mit einer NaCl-Infusion versorgt werden.

Kurzanleitung Schnelltest

Ergebnisse richtig lesen

Sind die 12 bis 14 Stunden Inkubationszeit bei 37 °C um, können die zwei Test-Röhrchen drei mögliche Farbkombinationen aufweisen. Nicht mit Antibiotika behandelt wird, wenn sich die rosa Farbe nicht verändert hat, dann sind keine Erreger gewachsen, oder wenn sich das erste Röhrchen entfärbt hat, dann sind ausschließlich gram-negative (coliforme) Keime gewachsen.
Mit Antibiotika wird behandelt, wenn sich beide Röhrchen entfärbt haben (weiß), weil wahrscheinlich gram-positive Erreger gewachsen sind, z. B. Strep. uberis, Strep. agalactiae, Strep. dysagalactiae, KNS oder Staph. aureus. Erfolgt im dritten Röhrchen ein weißer Farbumschlag, sind die Erreger Penicillin-resistent. Das Röhrchen verfärbt sich nicht, wenn keine Resistenzen vorliegen.