Wissenschaft

Azidose schon beim Kalb

Zu hohe Kohlenhydratgehalte und wenige Struktur in der Starterration führen auch bei jungen Kälbern zur Pansenazidose.

Pansenazidose ist bisher als ein typisches Krankheitsbild von Milchkühen beschrieben. Verursacht wird sie durch strukturarme, kohlenhydratreiche Rationen. Durch den Anstieg freier Fettsäuren sinkt der pH-Wert im Pansen (>5,5) und die Kuh wird krank. Wissenschaftler aus Madison, USA haben untersucht, ob auch junge Kälber eine fütterungsbedingte Pansenazidose bekommen können und wie sie sich diese auswirkt.
Dafür wurden zehn Bullenkälber im Alter von drei Wochen mit einer Pansenfistel zur regelmäßigen pH-Wert-Messung versorgt. Anschließend bekamen fünf von ihnen neben Milchaustauscher die Starterration 1 (Gruppe1: AZ-Azidose): 43% Stärke, 15% Faser, 58% strukturarme Kohlenhydrate. Fünf Kälber bekamen Starterration 2 (Gruppe2: ST-struktur): 35% Stärke, 25% Faser, 48% strukturarme Kohlenhydrate. Das mittlere Geburtsgewicht betrug 39 kg. Das Körpergewicht und die Starteraufnahme wurden wöchentlich bis zur 18.Lebenswoche gemessen.
Die Kälber wurden in der 17. Lebenswoche geschlachtet, und das Pansengewebe (u.a. Zottenlängen) untersucht. Mithilfe von Markern wurde der Flüssigkeitsdurchtritt durch die Pansenwand und die Absorptionsraten flüchtiger Fettsäuren (Anstieg steht für Azidose) gemessen.

pH-Wert sinkt nach dem Absetzen

Der mittlere pH-Wert im Pansen betrug 5,4 (Gruppe 1) und 5,7 (Gruppe 2). Die niedrigsten pH-Werte wurden in der Woche nach dem Absetzen beobachtet. Die Gesamtkonzentration an flüchtigen Fettsäuren im Pansen betrug bei Gruppe 1-Kälbern 132 bzw. 125 mM bei Gruppe 2 Kälbern und stieg mit dem Alter und der Zeit nach der Fütterung an.
Die Trockenmasseaufnahme war bei Gruppe 1-Kälbern in Woche vier  geringer und sank weiter bis Woche 16. Die Rate des Starterverbrauchs war bei Gruppe 1-Kälbern in Woche 16 ebenfalls niedriger. Das Körpergewicht war auch bei Gruppe 1-Kälbern von Woche 5 bis 16 niedriger. Gewebeabbau: 

Gewebeabbau: Zotten werden kürzer

Bluthämoglobin und Hämatokrit war bei Gruppe 1-Kälbern niedriger. Das Pansenvolumen nahm mit dem Alter zu und war bei Gruppe 2-Kälbern tendenziell größer. Die Durchgangsrate sowie die Länge und Breite der Pansenzotten unterschied sich nicht zwischen den Rationen, aber bei Gruppe 1-Kälbern war der Gewebeabbau stärker ausgeprägt.
Die Symptome der Pansenazidose bei Kälbern scheinen ähnlich zu sein wie bei erwachsenen Rindern. Es sind jedoch weitere Untersuchungen erforderlich, um festzustellen, ob Symptome durch die richtige Fütterung verhindert werden kann oder ob Kälber mit Pansenazidose als Erwachsene anfälliger für die Krankheit sind.
 Quelle: Gelsinger et al, 2020

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