Parasiten

Die schwersten Kälber nicht behandeln

Resistenzen nehmen auch bei Anthelmintika zu. Damit Antiparasitika langfristig Wirkung zeigen, muss strategisch entwurmt werden.

Weltweit ist eine zunehmende Resistenzentwicklung zu verzeichnen. Vor allem in Süd- und Nordamerika nehmen Resistenzen gegen Antipa­rasitika v. a. zur Wurmbekämpfung zu. Ursache u. a. hierfür kann der strategische Einsatz der Wirkstoffe in sehr großen Herden sein. In Deutschland sind bisher wenige Resistenzen bekannt. Vereinzelt gibt es die Beschreibung von schwächeren Wirkungen der Arzneimittel hierzulande. In einer aktuellen Studie wurde auf einem von zwölf Betrieben Resistenzen gegen die Wirkstoffe Ivermectin und Moxidectin festgestellt. Grundsätzlich ist es sinnvoll, Tiergruppen gezielt und selektiv zu therapieren, um einer möglichen Resistenzentwicklung vorzubeugen. Möglich ist zum Beispiel, die Therapie an die Gewichtsentwicklung zu koppeln.
Nimmt ein erstsömmriges Kalb weniger als 750 g/Tag auf der Weide zu, wird es behandelt. So schafft man es, einen Teil (ca. 20 %) der erstsömmrigen Kälber (die schwersten) nicht zu behandeln. Eine andere Möglichkeit besteht darin, nur voll empfängliche, erstsömmrige Kälber zu entwurmen und ältere auf der gleichen Koppel nicht. Der Effekt liegt darin, dass ein kleiner Teil nicht behandelter Tiere, Wurmeier ausscheiden, die sich auf der Weide weiterent­wickeln und andere Kälber infizieren. Die geringe Wurmlast fördert die Ausbildung einer gewissen Immunität aller Tiere.

Die selektive Entwurmungsstrategie: Die „Dose and move“-Entwurmung ist obsolet, weil sie Resistenzen fördert. Besser ist es, die 20 % schwersten Kälber nicht zu entwurmen, damit eine nicht resistente Wurmpopulation erhalten bleibt. (Bildquelle: Orb)

Starke Resistenzselektion

Nicht mehr empfohlen wird das „Dose and ­move“-Behandungskonzept. Denn wenn alle Tiere einer Herde behandelt werden und zusätzlich auf eine saubere Weide umgetrieben werden, dann ist der Wurmdruck zunächst maximal reduziert, aber auf der sauberen Koppel werden von den entwurmten Tieren nur noch resistente Würmer ausgeschieden, die die Behandlung mit Antiparasitika überlebt haben. Die resistenten Würmer vermehren sich nun auf dieser Weide und erschweren spätestens bei der nächsten Therapie den Behandlungserfolg. Die folgenden Punkte fördern die Resistenzentwicklung in der Praxis:
  • zu häufige Anwendung von Antiparasitika
  • Unterdosierung, Fehler in der Anwendung
  • keine Diagnostik vor der Therapie
  • Einsatz eines nicht zu den Parasiten passenden Produkts

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