Praxistipp

Ein Vollbad hilft festliegenden Kühen

Ein mobiles Kuhbad hilft festliegenden Kühen schnell wieder auf die Beine. Der Service aus den Niederlanden kommt auch nach Deutschland. Ein Praxisbericht.

Nach einer schweren Geburt, einer Verletzung oder durch Milchfieber bedingt – einer festliegenden Kuh muss möglichst schnell und ohne großen Aufwand oder weitere Verletzungen geholfen werden, damit sie wieder auf die Beine kommt. Das ist nicht einfach, ein Patentrezept gibt es bislang (noch) nicht. In den Niederlanden wurde kürzlich eine „Badewanne“ für festliegende Kühe entwickelt, die ursprünglich aus Dänemark stammt und Abhilfe verspricht bzw. den Kühen beim „Aufrichten“ helfen soll.
Durch die Entlastung im Wasser kommen die Kühe wieder auf die Beine. Nach etwa sechs Stunden im Wasser können sie so in der Regel auch außerhalb des Bades wieder selbstständig stehen. Der Erfolg hängt jedoch zu großen Teilen davon ab, wie frühzeitig gehandelt und welche Maßnahmen im Vorfeld getroffen wurden. 

Keine neuen Verletzungen

Im Wasser wiegt die Kuh nur rund 30% ihres Körpergewichtes, entsprechend weniger Gewicht muss sie in einem „Vollbad“ auf ihren Beinen halten. Kommt die Kuh im Wasser also einfacher zum Stehen, fördert das den Stoffwechsel. Häufig beginnt sie dann auch zu fressen und zu saufen, sodass sie wieder Kraft aufbaut, um auch außerhalb des Wassers stehen zu können. Der große Vorteil: Im Gegensatz zu einer Hüftklemme oder anderen physischen Methoden führt das Bad der Kuh in keinem Fall weitere Verletzungen zu. 

So funktioniert das Kuhbad:

  • Zuerst wird die Kuh über eine Matte an einen geeigneten Ort transportiert werden – vorzugsweise auf die Weide, auf Stroh oder in Sand, um nach dem Bad einen möglichst rutschfesten Untergrund zu gewährleisten. Auf dieser Matte wird sie liegend in die Wanne transportiert.
  • Anschließend werden die Vorder- und Hintertür geschlossen und das Wasser eingelassen. Die Kuh muss sechs Stunden im Wasser stehen und mit Futter und Wasser versorgt werden. 
  • Nach den sechs Stunden wird das Wasser abgelassen und die vordere Tür geöffnet, sodass die Kuh vorwärts aus dem Bad gehen kann. Kann die Kuh danach immer noch bzw. am Tag darauf wieder nicht aufstehen, muss sie am Folgetag noch einmal baden. 

Während des sechsstündigen Bades wird die Kuh mit Futter versorgt.  (Bildquelle: Benning)

Rundum-Service

Kein Einsatz von Hüftklemmen! Damit das Kuhbad der festliegenden Kuh hilft, müssen einige Voraussetzungen gegeben sein. Zuerst ist es wichtig, dass die Kuh zuvor nur liegend transportiert wird, zum Beispiel zur Weide oder zum Strohstall. Ein Transport mit Hüftklemme ist absolut verboten, weil die Gefahr von Verletzungen zu groß ist. Zudem sollte die Kuh grundsätzlich gesund sein, damit ein eigenständiges Stehen nach dem Kuhbad möglich sein kann. 

Wichtige Voraussetzungen: 

  • Die Kuh liegt nicht länger als drei Tage fest. 
  • Die Kuh frisst, säuft und ist gesund. 
  • Die Kuh muss sich selbst umlegen können (von der einen auf die andere Seite und wieder zurück). 
Unter diesen Umständen bringt das Kuhbad zu 80% Erfolg. 
Wir bringen das Bad sowie einen Tank mit warmem Wasser mit zum Betrieb.“
Frank Timmermann
Der Kuhhalter muss also lediglich Arbeitskraft bereitstellen, um die Kuh auf die Matte zu befördern und Strom. In den Niederlanden kostet der Einsatz des Kuhbades 230 Euro. Dazu kommen Anfahrtskosten bis zu 300 Euro. Bisher fährt Timmermann mit mittlerweile insgesamt zehn Wannen Ställe im Umkreis von bis zu 130 km an (von 8152 DS Lemelerveld, Niederlande). Die speziellen Wannen aus Dänemark können über Frank Timmermann auch selbst erworben werden. 

Frank Timmermann bringt sowohl Bad als auch das benötigte Wasser mit auf den Betrieb.  (Bildquelle: Timmermann)

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Tragen Sie sich jetzt ein und wir senden Ihnen automatisch weitere Artikel zu