Fütterung

Euterödeme vermeiden 

Ödeme sind oft fütterungsbedingt und gefährden die Eutergesundheit. Wie lässt sich der Spagat zwischen Anfütterung und starker Ödembildung bei Färsen meistern?

Philipp Baumann

Redakteur

Tierarztpraxis Baumann GbR

Euterödeme (starke Schwellung durch Wassereinlagerung) können besonders zur ersten Kalbung Probleme bereiten. Schmerzen oder Zwischenschenkel-Ekzeme stören das Wohlbefinden, das Melken wird erschwert und der Euteraufhängeapparat kann nachhaltig zerstört werden. Zudem beeinträchtigt die Wassereinlagerung die lokale Immunabwehr im Zitzenbereich. Der Strichkanal ist geweitet, sodass Umweltkeime leicht eindringen können und erhöhte Zellzahlen bis zu Mastitiden provozieren.
Folgende Faktoren begünstigen die Ödembildung und sollten bei gehäuftem Auftreten hinterfragt werden:
  • intensive Fütterung vor dem Kalben
  • hohe Natrium- und Kaliumgehalte
  • Stress durch Umstallung und Futterwechsel
  • hohes Erstkalbealter (häufig Verfettung)
  • hohe Leistungsveranlagung

Auf Nummer sicher gehen

Den größten Einfluss auf die Ödembildung hat die Trockensteherfütterung bzw. Anfütterung. Statt intensiv und nährstoffdicht sollten Färsen deshalb bis zum Kalben zuerst noch mit Bedacht, das heißt pansensynchron und faserbetont, gefüttert werden. Eine einphasige Trockensteherration bildet einen Kompromiss und kann auch in kleineren Betrieben umgesetzt werden. Es sollten möglichst alle Komponenten der Laktierendenration eingebaut sein, die Energiedichte sollte aber nur bei rund 6,0 MJ/NEL mit 13,5 bis 14% Protein und max. 14% Stärke liegen.
Erst ab der Kalbung wird auf die Laktierendenration umgestellt. Dazu empfiehlt es sich, zusätzlich noch etwas der strukturreichen Trockensteherration oder hochwertiges Heu mit anzubieten, um nicht in Gefahr einer Pansenübersäuerung oder Fressunlust zu geraten. Je nach Trogration werden um die Kalbung ein bis zwei kg Kraftfutter bis zur maximalen Menge in der fünften Laktationswoche zugefüttert.

Grassilage und Getreide als Risiko

Bei hohen Grassilageanteilen in Trockensteherrationen (Kaliumeintrag) oder einer Anfütterung mit getreidebetontem Kraftfutter steigt das Risiko für Ödeme. In kaliumreichen Rationen können saure Salze eingesetzt werden, um vorbeugend eine „milde” Ansäuerung zu erreichen. Vor dem Kalben dürfen die Kalium- bei max 1,3% und Natriumgehalte bei max. 0,15% (Gesamtration) liegen. Salzlecksteine oder Pansenpuffer gehören nicht in die Anfütterung! Bei Bestandsproblemen sollte einmal der Natriumgehalt des Tränkewassers kontrolliert werden.
Unruhe und Schwankungen in der Fütterung lösen oxidativen (= Stoffwechsel-)Stress aus, der die Ödembildung wiederum begünstigt. Färsen sollte daher erst bei voller Vitalität und gutem Fressverhalten in die Herde integriert und möglichst wenig umgestallt werden. Ausreichend Zink und Vitamin E können oxidative Schäden im Eutergewebe mindern. 

Alarmsignale erkennen

Ein gewisser Grad an Ödemen ist normal, aber wann handelt es sich um ein Bestandsproblem? Folgende Signale deuten auf ein (Fütterungs-)Problem hin, das entsprechend Verbesserungspotenzial bietet:
  • Gehäuft Ödeme bis in Nabelregionen
  • Zellzahlerhöhungen nach dem Kalben bis hin zu vermehrtem Auftreten von Färsenmastitiden
  • vermehrt Zwischenschenkel-Ekzeme
  • hohe Körperkondition
  • schwere Kalbungen

Einphasige Trockensteherrationen sind noch nicht zu energiereich und können auch für kleine Herden sicher umgesetzt werden.  (Bildquelle: Hilbk-Kortenbruck)

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