Futterselektion

Futter sortieren unbedingt unterbinden

Tipps zur Kontrolle des Selektionsverhaltens, passenden Häcksellängen bei Gras- und Maissilage sowie Maßnahmen beim Mischprozess.

Es gibt die berechnete, die gemischte, die gefressene und die umgesetzte Futterration. Diese sind leider nicht immer identisch. Die Aufbereitung des zerkleinerten Grobfutters und die Mischgenauigkeit beeinflussen das Fressverhalten von Kühen.

Gefahren und Auswirkungen der Futterselektion

Wenn die Tiere durch das Selektieren vermehrt die schmackhaften Kraftfutterpartikel (zumeist stärkereich) fressen, erhöht es das Risiko von Pansenfermentationsstörungen bzw. von Pansenazidosen. In der Folge können Klauenrehe auftreten, auch vermindert sich häufig die Fruchtbarkeit. Außerdem fehlt die Laktationspersistenz.
Die Futterselektion kostet Fresszeit und damit Trockenmasseaufnahme. Auch hat eine gleichmäßig fressende Herde ein ruhigeres Temperament, weil die Kühe nicht aus den Liegeboxen aufspringen, wenn der Futtermischwagen kommt.
Ein weiteres Problem: Die Körperkonditionen innerhalb der Herde wachsen auseinander. Wenn aufgrund von Platzmangel oder Überbelegung nicht alle Kühe gleichzeitig fressen können, erhalten rangniedrige Tiere später eine durchsortierte, minderwertige Ration mit geringerem Energiegehalt. Magere Kühe können nicht zunehmen und durchsetzungsfähige, ranghohe Kühe bauen mehr Körperkondition auf. Eine überkonditionierte Kuh zum Trockenstellen läuft Gefahr, nach dem Abkalben an Milchfieber oder Ketose zu erkranken.

Futterselektion erkennen

Beobachten Sie die Kühe bei der Futteraufnahme über den Tag hinweg aufmerksam. Starten Sie zum Zeitpunkt der Frischfuttervorlage. Wenn alle Tiere aufstehen und zum Futtertisch kommen, muss davon ausgegangen werden, dass die Ration „selektierbar“ ist. Ziel sollte sein, dass maximal 50% der Kühe bei der frischen Futtervorlage zum Futtertisch gehen.
Beobachten Sie das Fressverhalten der Kühe:
  • Sortieren die Kühe zeitnah direkt nach der Frischfuttervorlage, weil z.B. Kartoffeln, Möhren oder Zuckerrübenpellets in der Ration sind?
  • Fressen sie von oben nach unten? Oder beginnen Sie zu suchen, schieben und wühlen?
  • Ist Lochfraß sichtbar? Erkennt man den Boden, weil die Kuh das Futter wegschiebt, um das Kraftfutter zuerst zu fressen?
Tipp: Leihen sie sich eine Kamera vom Tierarzt oder Berater aus und filmen den Futtertisch sowie das Fressverhalten der Kühe über 24 h. Der Einsatz einer Bildkamera am Futtertisch zeigt die Schwachpunkte auf.
Kontrollieren Sie die Ration mit der Schüttelbox. Wenn die gemischte Ration einen Trockensubstanzgehalt über 38% hat, kann die Schüttelbox helfen, Mischfehler und Futterselektion zu erkennen. Beim Ausfüttern, nach sechs, neun, zwölf Stunden sollten die Futterreste die gleiche Zusammensetzung wie die frisch vorgelegte Ration aufweisen.

Passende Häcksellängen und Partikelgrößen

Die Zusammensetzung und Beschaffenheit der Ration beeinflusst das Selektionsverhalten. Vor allem lang geschnittene und trockene Grassilagen sind problematisch. Daher sollten Grassilagen möglichst kurz gehäckselt werden, damit sie besser eingemischt werden können.
Futtermittel wie z.B. Stroh, die nicht so gerne von den Kühen aufgenommen werden, müssen besonders kurz gehäckselt und gut untergemischt werden. Ein besonderes Augenmerk sollte auf die mittellangen Partikel gelegt werden, die einerseits gut eingemischt werden können und andererseits im Pansen strukturwirksam sind.
Kontrollieren Sie die Partikelgrößen der Ration mit der Schüttelbox wöchentlich. Ein Futterpartikel-Anteil im Obersieb von über 30% führt vermehrt zur Selektion (viele lange Partikel). Ein Partikel-Anteil im Untersieb von über 50% begünstigt das Auftreten einer Pansenazidose begünstigt (viele Feinfutter-Partikel).

Feuchtigkeit und TS-Gehalt

Je trockener eine Futtermischung ist, desto besser lässt sie sich selektieren. Feuchtere Mischungen (Ziel kleiner 38% TS) können von Kühen weniger einfach selektiert werden. Wenn die Futtermittel zu trocken sind, geben Sie Wasser zur Ration hinzu, um die Kraftfutterpartikel am Grundfutter festkleben. Achtung: Verteilen Sie das Wasser gleichmäßig über den Mischwagen, damit das gesamte Futter den gleichen TS-Gehalt hat.

Eine hohe Mischgenauigkeit  führt zu einer homogenen Futterration, die von den Kühen weniger selektiert werden kann. (Bildquelle: Stöcker-Gamigliano)

Einfache Maßnahmen beim Mischprozess

Umso geringer die vorgelegte Ration von Tag zu Tag schwankt, desto höher ist die Futteraufnahme. Eine hohe Futteraufnahme führt zu höheren Milchleistungen und gesunden Kühen. Einfache, praktische Tipps für den Mischprozess:
1. Den Futtermischwagen beim Mischen auf einen geraden Untergrund stellen.
2. Kleine Mengen am Anfang, große Mengen am Ende befüllen.
3. Den Futtermischwagen nicht überfüllen.
4. Erst den Gegenschneider einlassen und später beim Nachmischen wieder herausnehmen.
5. Die Nachmischdauer ausreichend bemessen.
6. Die Messer der Schnecke regelmäßig wechseln.
7. Kurz gehäckseltes Stroh und Gras vermischen sich besser.
8. „Füttern ist eine One Man Show“: Wenn nicht immer die gleiche Person füttern kann, sollte mit Anweisungen und Mischprotokollen gearbeitet werden.
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